Retropatellargelenk
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
auf Kongressen, in Workshops und in der Literatur erleben wir zum Thema Patellofemoralgelenk eine große Vielfalt an Herangehensweisen und insb. eine kontinuierliche Weiterentwicklung. Patientinnen und Patienten mit patellofemoralen Beschwerden stellen dabei oft klinisch komplexe Fälle dar. Die Beschwerden entstehen selten durch ein einzelnes Problem, sondern vielmehr durch ein Zusammenspiel unterschiedlicher knöcherner, muskulärer und funktioneller Faktoren. Jede Patientin und jeder Patient weist somit ein individuelles Risikoprofil auf. Je besser wir diese Zusammenhänge verstehen, desto eher gelingt es, gemeinsam mit den Betroffenen nachhaltige Behandlungsstrategien zu entwickeln. Dabei ist die klinische Erfahrung sowohl für die differenzierte Beurteilung als auch für die vielfältigen, oft komplexen Therapieoptionen von Bedeutung. Mit diesem Themenheft möchten wir Ihnen neue Einblicke in die Diagnostik und Therapie von Pathologien des Patellofemoralgelenks geben.
Grundlage einer erfolgreichen Beratung zu konservativen und operativen Optionen ist die differenzierte Analyse der Pathomechanismen. Der Beitrag von Erhan Basad zeigt klar und verständlich, wie durch die Kombination aus klinischer Untersuchung und Bildgebung individuelle, ursachenorientierte Therapiestrategien entwickelt werden können.
Der Artikel von Julius Wehrmann, Steffen Ubl und Thomas Pfeiffer baut hierauf auf und überführt die strukturierte Diagnostik in ein risikoadaptiertes Therapiekonzept. Dies ermöglicht eine fundierte Entscheidung zwischen konservativer Therapie, MPFL-Rekonstruktion und kombinierten Verfahren. Dabei wird auch die hohe Bedeutung knöcherner Risikofaktoren, insb. der Trochleadysplasie, der Patella alta sowie von Achs- und Torsionsfehlstellungen hervorgehoben.
In einem eigenen Beitrag werden neben konservativen Therapieansätzen auch unsere Technik einer ankerfreien, ausbalancierten Rekonstruktion des medialen patellofemoralen Ligaments (MPFL) beschrieben. Ein weiterer Artikel zeigt, wie durch die Kombination aus Trochleaplastik und MPFL-Rekonstruktion bei einer symptomatischen Trochleadysplasie gute Ergebnisse erzielt werden können. Darüber hinaus wird dargestellt, inwiefern die Konzepte der Trochleaplastik auch beim patellofemoralen Gelenkersatz eine Rolle spielen und warum dies zu verbesserten Ergebnissen beitragen kann. In beiden Beiträgen stellen wir zudem unsere Ansätze für eine schnelle und erfolgreiche Rehabilitation dar.
Hervorzuheben ist der Artikel von Manfred Nelitz, der sich mit wichtigen Grenzindikationen der Trochleaplastik wie fortgeschrittenen Knorpelschäden und offenen Wachstumsfugen auseinandersetzt. Bei offenen Fugen und ausgeprägten Dysplasien ist zwischen dem Risiko fortschreitender Gelenkschäden und möglichen Auswirkungen der operativen Korrektur abzuwägen. Da innerhalb von etwa 2 Jahren vor dem erwarteten Wachstumsabschluss nach einer Trochleaplastik keine Wachstumsstörungen beobachtet wurden, hat sich die Altersuntergrenze bei entsprechenden Fällen nach unten verschoben.
Ebenso wertvoll ist der Beitrag von Conrad Ketzer, Jonas Pogorzelski, Marco Rupp und Peter Biberthaler zum patellofemoralen Gelenkersatz. Hier wird differenziert dargestellt, wie mit einer präzisen Diagnostik, einer individuellen Versorgung und ggf. ergänzenden Korrektureingriffen gute Ergebnisse erzielt werden können. Die patellofemorale Prothese kann dabei nicht nur Schmerzen reduzieren, sondern auch Funktion und sportliche Aktivität nachhaltig verbessern.
Alle Beiträge liefern wertvolle Impulse für unsere klinische Entscheidungsfindung. Ich danke allen Autorinnen und Autoren herzlich für ihre engagierten und fundierten Beiträge und wünsche Ihnen eine anregende Lektüre. Über Rückmeldungen und Anregungen – beispielsweise in Form von Leserbriefen an die E-Mail-Adresse info@vsou.de – freuen wir uns sehr.
Das Schriftleiterteam und die Redaktion der OUP freuen sich darauf, Sie bei unserer diesjährigen VSOU-Jahrestagung in Baden-Baden zu sehen.
Ihr
Lars Engelhardt
Prof. Dr. med.
Klinik für Unfallchirurgie, Orthopädie
und Sportmedizin am Klinikum Peine &
Universität Witten/Herdecke
Hauptschriftleiter OUP
Lars Victor von Engelhardt
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