Editorial
Ausgabe 03/2026
Editorial


Retropatellargelenk

 

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

auf Kongressen, in Workshops und in der Literatur erleben wir zum Thema Patellofemoralgelenk eine große Vielfalt an Herangehensweisen und insb. eine kontinuierliche Weiterentwicklung. Patientinnen und Patienten mit patellofemoralen Beschwerden stellen dabei oft klinisch komplexe Fälle dar. Die Beschwerden entstehen selten durch ein einzelnes Problem, sondern vielmehr durch ein Zusammenspiel unterschiedlicher knöcherner, muskulärer und funktioneller Faktoren. Jede Patientin und jeder Patient weist somit ein individuelles Risikoprofil auf. Je besser wir diese Zusammenhänge verstehen, desto eher gelingt es, gemeinsam mit den Betroffenen nachhaltige Behandlungsstrategien zu entwickeln. Dabei ist die klinische Erfahrung sowohl für die differenzierte Beurteilung als auch für die vielfältigen, oft komplexen Therapieoptionen von Bedeutung. Mit diesem Themenheft möchten wir Ihnen neue Einblicke in die Diagnostik und Therapie von Pathologien des Patellofemoralgelenks geben.

Grundlage einer erfolgreichen Beratung zu konservativen und operativen Optionen ist die differenzierte Analyse der Pathomechanismen. Der Beitrag von Erhan Basad zeigt klar und verständlich, wie durch die Kombination aus klinischer Untersuchung und Bildgebung individuelle, ursachenorientierte Therapiestrategien entwickelt werden können.

Der Artikel von Julius Wehrmann, Steffen Ubl und Thomas Pfeiffer baut hierauf auf und überführt die strukturierte Diagnostik in ein risikoadaptiertes Therapiekonzept. Dies ermöglicht eine fundierte Entscheidung zwischen konservativer Therapie, MPFL-Rekonstruktion und kombinierten Verfahren. Dabei wird auch die hohe Bedeutung knöcherner Risikofaktoren, insb. der Trochleadysplasie, der Patella alta sowie von Achs- und Torsionsfehlstellungen hervorgehoben.

In einem eigenen Beitrag werden neben konservativen Therapieansätzen auch unsere Technik einer ankerfreien, ausbalancierten Rekonstruktion des medialen patellofemoralen Ligaments (MPFL) beschrieben. Ein weiterer Artikel zeigt, wie durch die Kombination aus Trochleaplastik und MPFL-Rekonstruktion bei einer symptomatischen Trochleadysplasie gute Ergebnisse erzielt werden können. Darüber hinaus wird dargestellt, inwiefern die Konzepte der Trochleaplastik auch beim patellofemoralen Gelenkersatz eine Rolle spielen und warum dies zu verbesserten Ergebnissen beitragen kann. In beiden Beiträgen stellen wir zudem unsere Ansätze für eine schnelle und erfolgreiche Rehabilitation dar.

Hervorzuheben ist der Artikel von Manfred Nelitz, der sich mit wichtigen Grenzindikationen der Trochleaplastik wie fortgeschrittenen Knorpelschäden und offenen Wachstumsfugen auseinandersetzt. Bei offenen Fugen und ausgeprägten Dysplasien ist zwischen dem Risiko fortschreitender Gelenkschäden und möglichen Auswirkungen der operativen Korrektur abzuwägen. Da innerhalb von etwa 2 Jahren vor dem erwarteten Wachstumsabschluss nach einer Trochleaplastik keine Wachstumsstörungen beobachtet wurden, hat sich die Altersuntergrenze bei entsprechenden Fällen nach unten verschoben.

Ebenso wertvoll ist der Beitrag von Conrad Ketzer, Jonas Pogorzelski, Marco Rupp und Peter Biberthaler zum patellofemoralen Gelenkersatz. Hier wird differenziert dargestellt, wie mit einer präzisen Diagnostik, einer individuellen Versorgung und ggf. ergänzenden Korrektureingriffen gute Ergebnisse erzielt werden können. Die patellofemorale Prothese kann dabei nicht nur Schmerzen reduzieren, sondern auch Funktion und sportliche Aktivität nachhaltig verbessern.

Alle Beiträge liefern wertvolle Impulse für unsere klinische Entscheidungsfindung. Ich danke allen Autorinnen und Autoren herzlich für ihre engagierten und fundierten Beiträge und wünsche Ihnen eine anregende Lektüre. Über Rückmeldungen und Anregungen – beispielsweise in Form von Leserbriefen an die E-Mail-Adresse info@vsou.de – freuen wir uns sehr.

Das Schriftleiterteam und die Redaktion der OUP freuen sich darauf, Sie bei unserer diesjährigen VSOU-Jahrestagung in Baden-Baden zu sehen.

Ihr

Lars Engelhardt

Prof. Dr. med.
Lars Victor von Engelhardt

Klinik für Unfallchirurgie, Orthopädie

und Sportmedizin am Klinikum Peine &

Universität Witten/Herdecke

Hauptschriftleiter OUP


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Übersichtsarbeiten
Ausgabe 03/2026
Diagnostik bei patellofemoralen Beschwerden und Instabilitäten


Zusammenfassung: Patellofemorale Beschwerden und Instabilitäten stellen ein häufiges und klinisch relevantes Krankheitsbild dar. Die Ursache ist in der Regel multifaktoriell und umfasst knöcherne Dysplasien, ligamentäre Insuffizienzen sowie Achs- und Rotationsfehlstellungen. Eine isolierte Betrachtung einzelner Befunde führt nicht selten zu unzureichenden Therapieergebnissen.Ziel dieses Beitrags ist die Darstellung einer strukturierten klinischen und bildgebenden Diagnostik des Femoropatellargelenks mit besonderem Fokus auf die operative Entscheidungsfindung. Dargestellt werden die wesentlichen Elemente der klinischen Untersuchung sowie die Rolle der konventionellen Radiologie, der Magnetresonanztomografie und der Torsionsdiagnostik. Die diagnostischen Befunde werden im Kontext ihrer operativen Relevanz bewertet.Die klinische Untersuchung erlaubt eine erste funktionelle Einordnung der Instabilität. Die bildgebende Diagnostik dient der Identifikation prädisponierender Faktoren wie Trochleadysplasie, MPFL-Insuffizienz, Patellahochstand (Patella alta), Achs- und Tuberositasfehlstellungen. Erst die integrative Bewertung aller Parameter ermöglicht eine individuell angepasste operative Strategie.Die Diagnostik patellofemoraler Instabilitäten muss ursachenorientiert und strategiegeleitet erfolgen. Isolierte operative Maßnahmen ohne vollständige Analyse der zugrunde liegenden Pathoanatomie erhöhen das Risiko für Rezidive und persistierende Beschwerden.

Summary: Patellofemoral pain and instability are common clinical problems with a predominantly multifactorial etiology. Bony dysplasia, ligamentous insufficiency, and axial or rotational malalignment often coexist and contribute to instability. This article outlines a structured clinical and imaging-based diagnostic approach to patellofemoral disorders with particular emphasis on surgical decision making. Key elements of clinical examination and the role of conventional radiography, magnetic resonance imaging, and torsional assessment are reviewed.Clinical examination provides an initial functional assessment, whereas imaging identifies predisposing anatomical factors such as trochlear dysplasia, MPFL insufficiency, patella alta, axial malalignment, and tibial tuberosity malposition. Only a comprehensive and integrative evaluation allows an individualized surgical strategy.Diagnostic assessment of patellofemoral instability should be pathology-driven and strategy-oriented. Isolated surgical procedures without comprehensive analysis of underlying anatomical factors are associated with inferior clinical outcomes.

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Ausgabe 03/2026
Patellofemorale Instabilität


Zusammenfassung: Die patellofemorale Instabilität stellt ein häufiges und zugleich komplexes Krankheitsbild dar. Primäres Ziel der Therapie ist das Verhindern weiterer Luxationsereignisse. Bei einer erstmaligen Luxation der Patella ohne relevante Begleitverletzungen und Risikofaktoren besitzt die konservative Therapie weiterhin einen relevanten Stellenwert. Jedoch ist eine zielgerichtete klinische und radiologische Diagnostik entscheidend, um vorliegende Risikofaktoren zu identifizieren und bestmöglich zu therapieren. Die operative Rekonstruktion des medialen patellofemoralen Ligaments (MPFL) hat sich als Basistherapie etabliert. Bei Vorliegen relevanter anatomischer knöcherner Risikofaktoren wie einer Trochleadysplasie, einer Patella alta, einer pathologischen Lateralisation der Tuberositas tibiae sowie Torsions- und Achsfehlstellungen reicht eine isolierte MPFL-Plastik jedoch häufig nicht aus. In diesen Fällen sind knöcherne Korrekturen essenzieller Bestandteil eines erfolgreichen Therapiekonzepts.

Summary: Patellofemoral instability is a common yet complex clinical condition. The primary goal of treatment is to prevent recurrent dislocation events. Following a first-time patellar dislocation without relevant concomitant injuries or significant risk factors, conservative management continues to play an important role. However, focused clinical and radiological assessment is essential to identify underlying risk factors and to guide optimal treatment. Surgical reconstruction of the medial patellofemoral ligament (MPFL) has become the established cornerstone of surgical treatment. Nevertheless, in the presence of relevant osseous anatomical risk factors such as trochlear dysplasia, patella alta, pathological lateralization of the tibial tubercle, as well as torsional and axial malalignment, isolated MPFL reconstruction is often insufficient. In such cases, bony realignment procedures are an essential component of a successful treatment strategy.

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Ausgabe 03/2026
Ruptur des medialen patellofemoralen Ligaments (MPFL)


Zusammenfassung:Die laterale Patellaluxation gehört zu den häufigeren Verletzungen des Kniegelenks bei jungen und sportlich aktiven Patientinnen und Patienten. In mehr als 90% der Fälle kommt es zu einer Ruptur des medialen patellofemoralen Ligaments (MPFL). Dieses Band ist der wichtigste passive Stabilisator gegen eine laterale Verschiebung der Patella. Eine Luxationsverletzung und/oder anhaltende Instabilitäten der Kniescheibe können zu Knorpelschäden, osteochondralen Frakturen, wiederkehrender Instabilität, Schmerzen, Verlust der Sportfähigkeit sowie verminderter Alltagsaktivität führen und langfristig in eine patellofemorale Arthrose münden. Trochleadysplasien, andere knöcherne Fehlbildungen sowie Schäden der kniescheibenstabilisierenden Bandstrukturen stellen wichtige Ursachen dieser Problematik dar. Eine isolierte MPFL-Plastik ist daher nach umfassender Diagnostik nur in ausgewählten Fällen indiziert. Bei korrekter Indikationsstellung stellt sie jedoch ein wertvolles und vergleichsweise schonendes Standardverfahren dar.In den letzten Jahren wurden zahlreiche operative Techniken beschrieben. Diese unterscheiden sich vor allem hinsichtlich der Fixationsmethoden, der Transplantatwahl und Formation, der Umsetzung einer anatomischen Rekonstruktion sowie der intraoperativen Spannungseinstellung des Transplantats. Ziel dieses Beitrags ist es, unsere Technik der anatomischen MPFL-Rekonstruktion unter Verwendung von Hamstringsehnen oder Allografts vorzustellen. Diese Technik ist nicht nur als Einzelverfahren, sondern ebenso unkompliziert in Kombination mit anderen Verfahren, wie der Trochleaplastik, Gelenkersatzoperationen, Kreuzbandersatzplastiken, etc. durchführbar. Eine Besonderheit der Methode ist die implantatfreie Fixation einer doppelläufigen Transplantatschlinge. Die femorale Fixation erfolgt – neben einem langen Loop durch die Patella – über transkortikale Fäden. Ein zentrales Element der Technik ist die einfache intraoperative funktionelle Testung und Spannungsbalancierung vor der endgültigen Fixation des Transplantats. Neben einer Darstellung der konservativen und operativen Behandlungsmöglichkeiten wird unsere Operationstechnik detailliert beschrieben. Darüber hinaus werden die postoperative Rehabilitation sowie aktuelle wissenschaftliche Daten zur MPFL-Rekonstruktion und zu möglichen Vorteilen unserer Methode dargestellt.

Abstract: Lateral patellar dislocation is among the more common injuries of the knee joint in young and physically active patients. In more than 90% of cases, rupture of the medial patellofemoral ligament (MPFL) occurs. This ligament represents the most important passive stabilizer against lateral displacement of the patella. A dislocation injury and/or persistent instability of the patella may lead to cartilage damage, osteochondral fractures, recurrent instability, pain, loss of the ability to participate in sports, and reduced daily activity, and may ultimately result in patellofemoral osteoarthritis. Trochlear dysplasia, other bony abnormalities, and injuries of the patellar stabilizing ligamentous structures represent important causes of this condition. Therefore, isolated MPFL reconstruction is indicated only in selected cases after comprehensive diagnostic evaluation. When appropriately indicated, however, it represents a valuable and comparatively minimally invasive standard procedure.In recent years, numerous surgical techniques have been described. These techniques differ mainly with regard to fixation methods, graft choice and configuration, the implementation of anatomical reconstruction, and intraoperative graft tensioning. The aim of this article is to present our technique of anatomical MPFL reconstruction using hamstring tendons or allografts. This technique can be performed not only as a standalone procedure, but also easily in combination with other procedures such as trochleoplasty, joint replacement surgeries, cruciate ligament reconstruction, etc. A particular feature of this method is the implant-free fixation of a double-bundle graft loop. Femoral fixation is achieved—besides a long loop through the patella—using transcortical sutures. A central element of the technique is simple intraoperative functional testing and tension balancing prior to definitive graft fixation. In addition to outlining conservative and surgical treatment options, our operative technique is described in detail. Furthermore, postoperative rehabilitation protocols and current scientific data on MPFL reconstruction and the potential advantages of our method are presented.

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Ausgabe 03/2026
Wie kommen wir mit der Trochleaplastik zu guten Ergebnissen?


Zusammenfassung: Die Trochleadysplasie ist bei patellofemoralen Pathologien mit Instabilitätsbeschwerden und auch bei der isolierten Retropatellararthrose überaus häufig zu finden und wesentlich für die Pathogenese. Eine genaue klinische und bildgebende Abklärung der oft heterogenen bildgebenden und klinischen Befunde ist wichtig, um eine geeignete Therapie zu empfehlen. Bei richtiger Indikation und einer effizienten Korrektur des Patella-Fehlgleitens zeigen sowohl die kombinierte Trochlea- und MPFL-Plastik als auch der retropatellare Gelenkersatz eine hohe Patientenzufriedenheit mit guten klinischen und funktionellen Ergebnissen. Der Schlüssel des Erfolges liegt in einer effizienten knöchernen Korrektur, der Beachtung des Weichteilalignements sowie in einer konsequenten frühfunktionellen Nachbehandlung.

Summary: Trochlear dysplasia is highly prevalent in patellofemoral pathologies associated with instability as well as in isolated patellofemoral osteoarthritis, and it plays a key role in their pathogenesis. A thorough clinical and imaging-based assessment of the often heterogeneous findings is essential to guide appropriate treatment. When the indication is appropriate and patellar maltracking is effectively addressed, both combined trochleoplasty with medial patellofemoral ligament (MPFL) reconstruction and patellofemoral arthroplasty can result in high patient satisfaction with favorable clinical and functional outcomes. The key to achieving these outcomes lies in precise bony correction, careful attention to soft tissue alignment, and a consistent early functional rehabilitation.

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Ausgabe 03/2026
Grenzindikationen der Trochleaplastik


Zusammenfassung:Die vertiefende Trochleaplastik stellt ein Standardverfahren in der Behandlung der patellofemoralen Instabilität mit guten klinischen Ergebnissen dar. Offene Wachstumsfugen am distalen Femur mit der potenziellen Gefahr des Auftretens von Wachstumsstörungen durch Verletzung der ventralen Fugenanteile limitieren den Einsatz im Kindes- und Jugendalter. Bei sorgfältiger präoperativer Evaluation kann jedoch bereits bei Jugendlichen mit noch offenen Wachstumsfugen nach erfolgtem pubertärem Wachstumsschub die operative Korrektur mit gutem Erfolg sicher durchgeführt werden. Gleichzeitig stellen höhergradige Knorpelschäden an der Trochlea femoris eine technische Herausforderung dar und werden deshalb häufig als Kontraindikation gesehen. Liegen bereits fortgeschrittene Knorpelläsionen vor, muss die Indikation zur Trochleaplastik kritisch geprüft werden, aber auch in diesen Fällen sind noch gute klinische Ergebnisse möglich.

Abstract: Trochlear dysplasia is the most important risk factor for patellofemoral instability. Deepening trochleoplasty is a surgical procedure, which is able to reshape the dysplastic femoral trochlea in patients with patellofemoral instability. The ideal indication for trochleoplasty is documented patellofemoral instability and high-grade trochlear dysplasia. For adolescent patients with open distal femoral physis trochleoplasty can be safely performed up to 2 years before the projected end of growth with good clinical results without redislocation and with no growth disturbance. In addition even in the presence of degenerative changes of the patellofemoral joint for selected patients trochleoplasty shows acceptable clinical results. In conclusion neither open physes nor the presence of degenerative changes are strict contraindications.

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Ausgabe 03/2026
Die isolierte patellofemorale Arthrose


Zusammenfassung: Die isolierte patellofemorale Arthrose stellt in der Knieendoprothetik weiterhin eine besondere Herausforderung dar. Trotz moderner Implantatkonzepte bleiben die Ergebnisse der patellofemoralen Prothese heterogen und erreichen hinsichtlich Patientenzufriedenheit und Langzeitbeständigkeit häufig nicht das Niveau der Knietotalendoprothese. Ursache ist nicht nur die ausgeprägte Heterogenität des Patientenkollektivs, sondern vor allem die biomechanische Komplexität des patellofemoralen Gelenks. Zudem entsteht die patellofemorale Arthrose häufig nicht primär degenerativ, sondern als Folge von Fehlmechanik, Maltracking oder Instabilität.Gerade diese Konstellation macht die Therapieentscheidung besonders anspruchsvoll. Die isolierte patellofemorale Arthrose betrifft nicht selten jüngere, funktionell aktive Patientinnen und Patienten, bei denen die Knietotalendoprothese zwar ein verlässliches Verfahren darstellt, der Ersatz klinisch unauffälliger tibiofemoraler Kompartimente jedoch kritisch abgewogen werden muss. In dieser Situation kann die patellofemorale Prothese als kompartimenterhaltende Behandlungsoption funktionelle Vorteile bieten. Voraussetzung sind eine präzise Diagnostik, eine differenzierte Analyse der zugrundeliegenden Pathomechanik und ein realistisches Erwartungsmanagement.Der wesentliche Fortschritt der vergangenen Jahre liegt daher weniger in einer generellen Ausweitung der Indikation als in einem besseren Verständnis günstiger und ungünstiger Ausgangskonstellationen. Entscheidende Voraussetzungen für ein gutes Ergebnis sind der sichere Ausschluss einer klinisch relevanten tibiofemoralen Begleitarthrose, die Identifikation der zugrundeliegenden pathoanatomischen Ursachen, die frühzeitige Planung möglicher Begleiteingriffe sowie eine technisch präzise operative Umsetzung.Die patellofemorale Prothese ist damit keine Standardversorgung der isolierten patellofemoralen Arthrose, sondern ein selektives, biomechanisch anspruchsvolles Behandlungskonzept für klar definierte Patientinnen und Patienten. Bei korrekter Indikationsstellung kann sie sehr gute funktionelle Ergebnisse erzielen und insbesondere bei jüngeren, aktiven Betroffenen einen totalendoprothetischen Ersatz sinnvoll hinauszögern oder sogar verhindern.

Summary: Isolated patellofemoral osteoarthritis remains a particular challenge in knee arthroplasty. Despite modern implant concepts, outcomes after patellofemoral arthroplasty remain heterogeneous and often do not match those of total knee arthroplasty in terms of patient satisfaction and long-term durability. This is attributable not only to the marked heterogeneity of the patient population, but above all to the biomechanical complexity of the patellofemoral joint. In addition, patellofemoral osteoarthritis is often not primarily degenerative, but rather develops as a consequence of malalignment, maltracking, or instability.This constellation is precisely what makes treatment decision-making demanding. Isolated patellofemoral osteoarthritis often affects younger, functionally active patients in whom total knee arthroplasty represents a reliable procedure, yet replacement of clinically unaffected tibiofemoral compartments must be weighed carefully. In this setting, patellofemoral arthroplasty may offer functional advantages as a compartment-preserving treatment option. However, this requires careful diagnostic work-up, a differentiated analysis of the underlying pathomechanics, and realistic expectation management.The major advance of recent years therefore lies less in a general expansion of indications than in a better understanding of favourable and unfavourable preoperative constellations. Key prerequisites for a good outcome are the reliable exclusion of clinically relevant concomitant tibiofemoral osteoarthritis, identification of the underlying pathoanatomical causes, early planning of potential concomitant procedures, and technically precise surgical execution.Patellofemoral arthroplasty should therefore not be regarded as a standard treatment for isolated patellofemoral osteoarthritis, but rather as a selective and biomechanically demanding treatment strategy for clearly defined patients. With appropriate patient selection, it can achieve very good functional outcomes and, particularly in younger and active patients, may meaningfully delay the need for total knee arthroplasty or even prevent it.

Keywords: Patellofemoral osteoarthritis, patellofemoral arthroplasty, knee arthroplasty, patellofemoral instability, secondary patellofemoral osteoarthritis, compartment-preserving arthroplasty

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Informationen aus der Gesellschaft
Ausgabe 03/2026
74. Jahrestagung der VSOU e.V.



Rund 2000 Teilnehmende sowie Branchenvertreterinnen und -vertreter nutzten vom 16.–18. April 2026 in Baden-Baden die Gelegenheit zu fachlichem Austausch, Fortbildung und Netzwerkpflege. In bewegten Zeiten setzte die 74. Jahrestagung ein starkes Zeichen für Zusammenhalt, Weiterentwicklung und interprofessionellen Dialog.


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Ausgabe 03/2026
Danksagung zum Abschluss der74. Jahrestagung der VSOU



Mit großer Dankbarkeit blickt die VSOU und ihr Vorstand auf eine außerordentlich erfolgreiche 74. Jahrestagung in Baden-Baden zurück. Unter dem Motto „Zeitenwende – Aufbruch in die Zukunft“ haben die Kongresspräsidentin Prof.in Dr. Catharina Chiari (Wien) und der Kongresspräsident Prof. Dr. Markus Arand (Ludwigsburg) einen Kongress gestaltet, der wissenschaftliche Exzellenz, gesundheitspolitische Aktualität und kollegialen Austausch auf beeindruckende Weise miteinander verbunden hat.


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Ausgabe 03/2026
Vergabe derGoldenen VSOU-Ehrennadel



Im Rahmen der Eröffnungsveranstaltung der diesjährigen Jahrestagung wurde dem ehemaligen Vorstandsvorsitzenden und Ehrenvorsitzenden Dr. Thomas Möller eine besondere Ehre zuteil: die Verleihung der Goldenen VSOU-Ehrennadel.


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Ausgabe 03/2026
OUP-Jahresbestpreis 2025



Unter einer Vielzahl wertvoller Beiträge wurde der OUP-Jahresbestpreis 2025 an PD Dr. med. Christoph Biehl und Lotta Biehl von der Klinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie am Universitätsklinikum Gießen und Prof. Dr. med. Hans-Dieter Carl, Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie am Krankenhaus Martha-Maria St. Theresien Nürnberg, verliehen. Die Autorin und Autoren sind im Feld der orthopädischen Rheumatherapie und Rheumachirurgie international führend. Im Rahmen der Deutschen Gesellschaft für Orthopädische Rheumatologie (DGORh) und der Deutschen Rheuma-Liga vertreten sie die Forschung, Weiterentwicklung und Ausbildung in diesem Bereich. Entsprechend hochwertig ist der Artikel.


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Ausgabe 03/2026
VSOU-Vorstandswahl



Im Rahmen der Vorstandswahl anlässlich der diesjährigen Mitgliederversammlung wurde die Zukunft unseres Vereins auf bewährte Weise gesichert und zugleich mit frischen Impulsen bereichert. Die Mitglieder sprachen dem bestehenden Führungsteam in zentralen Positionen erneut ihr Vertrauen aus: Sowohl der 1. Vorsitzende, Dr. med. Bodo Kretschmann, Müllheim, als auch die 2. Vorsitzende, Univ.-Prof. Dr. med. Andrea Meurer, Bad Wiessee, wurden in ihren Ämtern einstimmig bestätigt und Dr. med. Boris Brand vom 2. zum 1. Schriftführer gewählt. Das bisherige Team setzt damit seine engagierte Arbeit fort.


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Ausgabe 03/2026
22. AFACOT Symposium beim VSOU-Kongress in Baden-Baden



Die AFACOT (Verband der deutsch-französischen Orthopäden und Unfallchirurgen, Association Franco-Allemande de Chirurgie de l‘Orthopédie et Traumatologie) hat das Ziel, den wissenschaftlichen, kollegialen und kulturellen Austausch im Bereich der Orthopädie und Unfallchirurgie zu fördern. So können wir voneinander lernen und ein gemeinsames „savoir vivre et savoir faire“ entwickeln.


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Ausgabe 03/2026
USA-Reisebericht 2026



Das USA-Reisestipendium der VSOU ist unumstritten eines der hochkarätigsten und schlichtweg versatilsten Programme seiner Art im deutschsprachigen Raum. Auch wir, die USA-Travel-Fellows 2026, Mario Pasurka und Erik Wegner, hatten daran keinen Zweifel. Mit den spannenden Reiseberichten der vorherigen Stipendiatinnen und Stipendiaten im Gepäck schauten wir voller Vorfreude auf einen zwar eng getakteten, aber abwechslungsreichen Reiseplan. Dieser sah auch dieses Jahr die Hospitation an zwei der renommiertesten US-amerikanischen Kliniken sowie den Besuch des weltweit größten O&U-Kongresses, dem „Annual Meeting der American Academy of Orthopaedic Surgeons” (AAOS), vor – diesmal in New Orleans.


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