Gesellschaft

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EDITORIAL
Ausgabe: 01/2026

Kindertraumatologie – Kinder sind keine kleinen Erwachsenen

Unfälle gelten in Deutschland bereits ab dem ersten Lebensjahr als die häufigste Todesursache im Kindesalter. Gleichzeitig zeigen sich Verletzungsmuster, Unfallmechanismen und Heilungsverläufe bei Kindern und Jugendlichen, die sich grundlegend von denen Erwachsener unterscheiden. Mögliche Spätfolgen im Erwachsenenalter reichen von Wachstumsstörungen, Fehlstellungen und Instabilitäten bis hin zu Einsteifungen und Arthrosen betroffener Gelenke. Im Rahmen der Primärbehandlung ist es von großem Wert, potenzielle Spätfolgen vorausschauend zu kennen und die therapeutischen Optionen entsprechend einzuschätzen. Die Kindertraumatologie ist daher ein ganzheitliches Fachgebiet, in dem Kenntnisse der Erwachsenenmedizin ebenso erforderlich sind wie eine spezifische kindertraumatologische Expertise. Sie zählt zu den Kernkompetenzen der Unfallchirurgie und nimmt innerhalb unseres Fachgebiets einen besonderen Stellenwert ein. Dies geht deutlich über eine bloße Adaption von Behandlungskonzepten für Erwachsene hinaus und erfordert Erfahrung, fachliche Expertise und Einfühlungsvermögen.

Eine kindgerechte traumatologische Versorgung verlangt professionelle Strukturen, interdisziplinäre Teams und abgestimmte Versorgungspfade – vom Rettungsdienst über die Notaufnahme bis hin zur Rehabilitation. Neben der unfallchirurgischen fachlichen Kompetenz sind eine altersgerechte Kommunikation sowie die konsequente Einbeziehung der Eltern entscheidend, um Vertrauen aufzubauen und den Behandlungserfolg junger Patientinnen und Patienten zu sichern. Der therapeutische Erfolg hängt somit nicht allein von der technischen Qualität der Behandlung ab, sondern ebenso vom Verständnis der besonderen Bedürfnisse im Kindes- und Jugendalter. Gerade im Spannungsfeld von Personalmangel und zunehmender Ökonomisierung bleibt es unser gemeinsames Ziel, die kindertraumatologische Versorgung auf höchstem fachlichem und menschlichem Niveau zu gewährleisten.

Orientierung bieten kindertraumatologische Leitlinien, unter anderem zur Bildgebung und zu Verletzungen der oberen und unteren Extremitäten. Sie formulieren die Grundpfeiler einer modernen, evidenzbasierten Versorgung: eine indikationsgerechte Diagnostik, operative und konservative Therapiestrategien, konsequenter Strahlenschutz sowie eine alters- und wachstumsgerechte Nachsorge mit besonderem Augenmerk auf Funktion und Entwicklung.

Zentrale Säulen einer sicheren Versorgung bilden die Traumanetzwerke der DGU. Sie bieten strukturierte Prozesse, Simulationstrainings und interdisziplinäre Fortbildungsangebote, sichern Qualität und fördern den Wissenstransfer sowie die Implementierung aktueller Leitlinien in den klinischen Alltag.

Das vorliegende Themenheft widmet sich zentralen Fragestellungen und aktuellen Entwicklungen der Kindertraumatologie. Es beleuchtet die besonderen Anforderungen an die Bildgebung, typische Verletzungsmuster des wachsenden Skeletts sowie seltenere und komplexe Verletzungen, etwa der Wirbelsäule oder des kraniozervikalen Übergangs. Auch die Versorgung polytraumatisierter Kinder sowie Spätfolgen und sekundäre Deformitäten werden thematisiert.

Die Beiträge dieses Heftes verdeutlichen, dass Kindertraumatologie weit mehr ist als „Erwachsenentraumatologie in klein“. Sie vereint präzise Diagnostik, individualisierte Therapie und menschliche Zuwendung. Dieses Themenheft soll dazu beitragen, das Bewusstsein für die besonderen Anforderungen weiter zu schärfen und die Versorgung nachhaltig zu verbessern. Wir kümmern uns um die Kleinsten – sie sind unsere Zukunft.

Wir danken den Autorinnen und Autoren für ihre wertvollen Beiträge und wünschen eine anregende Lektüre.

 

Ihr

Mario Perl und Lars Victor von Engelhardt

Univ.-Prof. Dr. med. Mario Perl, MHBA

Unfallchirurgische und

Orthopädische Klinik

Universitätsklinikum Erlangen

Lehrstuhl für Unfallchirurgie &

Orthopädie an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

Prof. Dr. med.
Lars Victor von Engelhardt

Klinik für Unfallchirurgie, Orthopädie und Sportmedizin am Klinikum Peine &

Universität Witten/Herdecke

Hauptschriftleiter OUP

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Ausgabe: 02/2026

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

mit diesem Schwerpunktheft widmen wir uns zentralen Krankheitsbildern und therapeutischen Herausforderungen der Handchirurgie und angrenzender Fachgebiete. Die Hand als hochkomplexes Funktionsorgan spielt für Selbstständigkeit, berufliche Leistungsfähigkeit und Lebensqualität unserer Patientinnen und Patienten eine entscheidende Rolle. Entsprechend erfordert ihre Behandlung eine präzise Diagnostik, interdisziplinäres Denken und individuell abgestimmte Therapiekonzepte.

Den Auftakt bildet der Übersichtsbeitrag zum Morbus Dupuytren von Mada et al. Die Autoren stellen die pathogenetischen Grundlagen, genetischen Einflussfaktoren sowie konservative, minimalinvasive und operative Therapieoptionen systematisch dar. Neben der etablierten partiellen Aponeurektomie werden moderne Behandlungsstrategien kritisch eingeordnet und praxisnah bewertet.

Im zweiten Beitrag widmen sich Pulido et al. der Rhizarthrose als einer der häufigsten degenerativen Erkrankungen der Hand. Neben der besonderen funktionellen Bedeutung des Daumensattelgelenkes werden Diagnostik, konservative Therapieansätze sowie operative Verfahren dargestellt. Hervorgehoben wird dabei die Bedeutung der gemeinsamen Entscheidungsfindung unter Berücksichtigung von Alter, Aktivitätsniveau und individuellen Erwartungen der Betroffenen.

Häufige knöcherne Verletzungen der Hand und des Handgelenks stehen im Mittelpunkt des dritten Beitrags von Koehl et al. Die Autoren zeigen die hohe epidemiologische Relevanz von Frakturen auf und betonen die Bedeutung einer strukturierten Anamnese, sorgfältigen klinischen Untersuchung und differenzierten Bildgebung. Besonderes Augenmerk gilt der adäquaten Nachsorge, um Funktionseinschränkungen und Komplikationen zu vermeiden.

Der vierte Beitrag von Heers und Hassel befasst sich mit dem endoprothetischen Gelenkersatz bei Patientinnen und Patienten mit rheumatoider Arthritis. Vor dem Hintergrund verbesserter medikamentöser Therapien werden aktuelle Indikationen, technische Entwicklungen und Langzeitergebnisse kritisch beleuchtet. Während moderne Handgelenksprothesen zunehmend eine Alternative zur Arthrodese darstellen, bleibt bei vielen Fingergelenken weiterhin die Fusion der verlässlichste Behandlungsstandard.

Ein besonderes klinisches und therapeutisches Spannungsfeld stellt das komplexe regionale Schmerzsyndrom Typ I der oberen Extremität dar. Thoma-Jennerwein und Thoma geben in ihrem Beitrag eine fundierte Übersicht zur Diagnostik anhand der Budapest-Kriterien und zu evidenzbasierten Therapieansätzen. Die Bedeutung eines frühzeitigen, multimodalen und biopsychosozial ausgerichteten Behandlungskonzepts wird eindrücklich herausgestellt.

Schuh und Koehl widmen sich der extrakorporalen Stoßwellentherapie bei Erkrankungen der Hand. Neben den physikalischen Grundlagen und Wirkmechanismen werden Indikationen, Evidenzlage und klinische Einsatzmöglichkeiten dargestellt. Die ESWT erweist sich dabei als zunehmend relevante nichtinvasive Therapieoption in verschiedenen handchirurgischen Krankheitsbildern.

Dieses Schwerpunktheft verdeutlicht einmal mehr, wie breit gefächert, anspruchsvoll und dynamisch das Feld der Handchirurgie ist. Nur durch fundiertes Fachwissen, interdisziplinäre Zusammenarbeit und eine patientenzentrierte Entscheidungsfindung lassen sich nachhaltige Behandlungserfolge erzielen.

Wir danken allen Autorinnen und Autoren herzlich für ihre hochwertigen, praxisnahen und wissenschaftlich fundierten Beiträge.

Ich wünsche Ihnen eine anregende Lektüre,

 

Ihr

Prof. Dr. med. Achim Benditz

Prof. Dr. med. Achim Benditz

Klinik für Orthopädie und

Unfallchirurgie

Klinikum Fichtelgebirge, Marktredwitz

Prof. Dr. med.
Lars Victor von Engelhardt

Klinik für Unfallchirurgie, Orthopädie und Sportmedizin am Klinikum Peine &

Universität Witten/Herdecke

Hauptschriftleiter OUP

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Ausgabe: 03/2026

Retropatellargelenk

 

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

auf Kongressen, in Workshops und in der Literatur erleben wir zum Thema Patellofemoralgelenk eine große Vielfalt an Herangehensweisen und insb. eine kontinuierliche Weiterentwicklung. Patientinnen und Patienten mit patellofemoralen Beschwerden stellen dabei oft klinisch komplexe Fälle dar. Die Beschwerden entstehen selten durch ein einzelnes Problem, sondern vielmehr durch ein Zusammenspiel unterschiedlicher knöcherner, muskulärer und funktioneller Faktoren. Jede Patientin und jeder Patient weist somit ein individuelles Risikoprofil auf. Je besser wir diese Zusammenhänge verstehen, desto eher gelingt es, gemeinsam mit den Betroffenen nachhaltige Behandlungsstrategien zu entwickeln. Dabei ist die klinische Erfahrung sowohl für die differenzierte Beurteilung als auch für die vielfältigen, oft komplexen Therapieoptionen von Bedeutung. Mit diesem Themenheft möchten wir Ihnen neue Einblicke in die Diagnostik und Therapie von Pathologien des Patellofemoralgelenks geben.

Grundlage einer erfolgreichen Beratung zu konservativen und operativen Optionen ist die differenzierte Analyse der Pathomechanismen. Der Beitrag von Erhan Basad zeigt klar und verständlich, wie durch die Kombination aus klinischer Untersuchung und Bildgebung individuelle, ursachenorientierte Therapiestrategien entwickelt werden können.

Der Artikel von Julius Wehrmann, Steffen Ubl und Thomas Pfeiffer baut hierauf auf und überführt die strukturierte Diagnostik in ein risikoadaptiertes Therapiekonzept. Dies ermöglicht eine fundierte Entscheidung zwischen konservativer Therapie, MPFL-Rekonstruktion und kombinierten Verfahren. Dabei wird auch die hohe Bedeutung knöcherner Risikofaktoren, insb. der Trochleadysplasie, der Patella alta sowie von Achs- und Torsionsfehlstellungen hervorgehoben.

In einem eigenen Beitrag werden neben konservativen Therapieansätzen auch unsere Technik einer ankerfreien, ausbalancierten Rekonstruktion des medialen patellofemoralen Ligaments (MPFL) beschrieben. Ein weiterer Artikel zeigt, wie durch die Kombination aus Trochleaplastik und MPFL-Rekonstruktion bei einer symptomatischen Trochleadysplasie gute Ergebnisse erzielt werden können. Darüber hinaus wird dargestellt, inwiefern die Konzepte der Trochleaplastik auch beim patellofemoralen Gelenkersatz eine Rolle spielen und warum dies zu verbesserten Ergebnissen beitragen kann. In beiden Beiträgen stellen wir zudem unsere Ansätze für eine schnelle und erfolgreiche Rehabilitation dar.

Hervorzuheben ist der Artikel von Manfred Nelitz, der sich mit wichtigen Grenzindikationen der Trochleaplastik wie fortgeschrittenen Knorpelschäden und offenen Wachstumsfugen auseinandersetzt. Bei offenen Fugen und ausgeprägten Dysplasien ist zwischen dem Risiko fortschreitender Gelenkschäden und möglichen Auswirkungen der operativen Korrektur abzuwägen. Da innerhalb von etwa 2 Jahren vor dem erwarteten Wachstumsabschluss nach einer Trochleaplastik keine Wachstumsstörungen beobachtet wurden, hat sich die Altersuntergrenze bei entsprechenden Fällen nach unten verschoben.

Ebenso wertvoll ist der Beitrag von Conrad Ketzer, Jonas Pogorzelski, Marco Rupp und Peter Biberthaler zum patellofemoralen Gelenkersatz. Hier wird differenziert dargestellt, wie mit einer präzisen Diagnostik, einer individuellen Versorgung und ggf. ergänzenden Korrektureingriffen gute Ergebnisse erzielt werden können. Die patellofemorale Prothese kann dabei nicht nur Schmerzen reduzieren, sondern auch Funktion und sportliche Aktivität nachhaltig verbessern.

Alle Beiträge liefern wertvolle Impulse für unsere klinische Entscheidungsfindung. Ich danke allen Autorinnen und Autoren herzlich für ihre engagierten und fundierten Beiträge und wünsche Ihnen eine anregende Lektüre. Über Rückmeldungen und Anregungen – beispielsweise in Form von Leserbriefen an die E-Mail-Adresse info@vsou.de – freuen wir uns sehr.

Das Schriftleiterteam und die Redaktion der OUP freuen sich darauf, Sie bei unserer diesjährigen VSOU-Jahrestagung in Baden-Baden zu sehen.

Ihr

Lars Engelhardt

Prof. Dr. med.
Lars Victor von Engelhardt

Klinik für Unfallchirurgie, Orthopädie

und Sportmedizin am Klinikum Peine &

Universität Witten/Herdecke

Hauptschriftleiter OUP

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