Informationen aus der Gesellschaft - OUP 06/2025

Gedanken zum Jahreswechsel

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

verehrte Freundinnen und Freunde der VSOU,

erneut geht ein unruhiges Jahr dem Ende entgegen. Unruhe, Unsicherheit, Unzufriedenheit, Unwissenheit, Unzuverlässigkeit. Diese und mehr Un-Worte, die uns begleiten und von denen man Jahr für Jahr wünscht, sie seien nicht mehr so präsent. Was heißt das konkret für O&U?

Nachdem in Nordrhein-Westfalen die ersten Kliniken den neuen Leistungsgruppen zum Opfer fielen, sollen nun bundesweit die Leistungsgruppen nach dem NRW-Modell – ich nenne es bewusst nicht Vorbild – eingeführt werden. In guter föderaler Art wird dies in jedem Bundesland unterschiedlich umgesetzt, klar ist aber, dass hier eine von oben dirigierte eiskalte Mengenreduktion spezifischer Eingriffe stattfinden soll. Auswirkungen auf Endoprothetik und Wirbelsäuleneingriffe werden nach Einführung der Leistungsgruppen in spätestens 2–3 Jahren für die betroffenen Patientinnen und Patienten spürbar werden, nämlich dann, wenn die Zahlenspiele am Schreibtisch durch Mindestmengen und Schließung von Abteilungen in der Versorgungswirklichkeit angekommen sind. Wer soll den wachsenden Bedarf an solchen Operationen in einer alternden Gesellschaft denn am Ende decken? Die großen Kliniken sind doch bereits jetzt an ihren Kapazitätsgrenzen. Wo bleibt die Politik, wenn es um die viel zitierte Daseinsfürsorge geht? Da werden manche Kolleginnen und Kollegen froh sein, dass die lang ersehnte Novellierung der GOÄ nicht so schnell kommt. Aus einem Werk mit 300 Seiten ist ein Zahlenkatalog mit 900 Seiten geworden. Entbürokratisierung stelle ich mir anders vor. Und ja, wir werden froh sein, wenn wir mit der neuen GOÄ den Status quo halten können. Wollen wir noch über Hybrid-DRG… Nein.

Während in der Ukraine, im Sudan, im Gaza-Streifen und wo nicht noch in der Welt die Not keine Grenzen kennt, kümmern wir uns in unserem armen Land wochenlang um schnoddrige Stadtbildäußerungen. Der Wahlkampf hat schon wieder begonnen, Landtagswahlen stehen an und die Debatten im Bundestag sind unwürdiger denn je. Wenn wir am Ende des Jahres 2026 nicht wieder zum Schluss kommen wollen, dass uns die Unruhe und Unsicherheit beängstigt, dass unsere Kinder in eine Zukunft voller Kriegsgefahr, befeuert von selbstverliebten Autokraten, blicken müssen, dann sollten wir unsere zivilgesellschaftliche Verantwortung übernehmen. Aufstehen gegen Populismus und Demagogie, Nein sagen gegen die ewig Gestrigen, Stopp sagen, wenn es um Menschenverachtung und Intoleranz geht. Das stünde gerade uns Ärztinnen und Ärzten gut zu Gesicht. In einer Gesellschaft, die vor lauter Selbstoptimierung und Ich-Bezogenheit den Blick für die Schwächsten verloren hat, sollten wir unserer ärztlichen Verantwortung Rechnung tragen und die Würde des Arztseins in unserem Alltag leben, dem wird auch der Respekt gegenüber unserem Tun nachfolgen. Jammern gilt nicht. Wir zählen zu der Berufsgruppe, zu der die Menschen mit am meisten Vertrauen haben. Dieses Vertrauen sollten wir nutzen, den Menschen, nein der Menschlichkeit eine Stimme zu geben.

Die im Mai verstorbene Margot Friedländer hat dies als ihre zentrale Botschaft verkündet: „Ich sage, seid Menschen.“ Und so wünsche ich Euch eine besinnliche und friedvolle Weihnachtszeit und rufe Euch im Gedenken an eine große Frau und voller Respekt für ihr Lebenswerk zu:

Seid Menschen!

Euer

Bodo Kretschmann

1. Vorsitzender der VSOU e.V.

Die Margot Friedländer Stiftung setzt sich für Toleranz und Menschlichkeit sowie für Freiheit und Demokratie ein. Ich lade Euch von Herzen zu Spenden für die Stiftung ein.

Die Webseite der Stiftung für weitere Informationen lautet: https://margot-friedlaender-stiftung.de/

Spenden kann man adressieren an:

Margot Friedländer Stiftung

IBAN: DE69 1005 0000 0191 2629 27

BIC: BELADEBEXXX

(Berliner Sparkasse)

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