Originalarbeiten - OUP 05/2012

Das rheumatische Schultergelenk
Rheumatoid arthritis of the shoulder joint

Insgesamt sind die Ergebnisse von Oberflächenersatz, schaftgeführter Hemiprothese und Totalendoprothese eng verbunden mit dem Zustand der Rotatorenmanschette bei Prothesenimplantation bzw. mit deren sekundärer Insuffizienz. Defekte sollten nach Möglichkeit rekonstruiert werden [11].

Bei der inversen Prothese wird das Gelenkzentrum durch umgekehrte Konstruktion von Pfanne und Kopf nach kaudal und medial verschoben. So kann durch den M. deltoideus eine Insuffizienz der Rotatorenmanschette kompensiert werden, da der Hebel verlängert und dadurch die Kraft vergrößert wird (Abb. 1 a–d). Die Indikation bei der rheumatoiden Arthritis beschränkt sich auf ein fortgeschrittenes Stadium 5 nach LDE, in dem bereits eine weitestgehende Destruktion der Rotatorenmanschette mit Humeruskopfhochstand vorliegt. Eine stabile knöcherne Situation ist eine wichtige Voraussetzung für die Implantation der inversen Prothese, bei Revisionspflichtigkeit kommt es zu weiteren Knochenverlusten, die eine erneute Prothesenimplantation unmöglich machen können. Daher sollten inverse Prothesen möglichst bei Patienten jenseits der 70–75 Jahre implantiert werden, bei jüngeren Patienten sollten sie nur in Ausnahmeindikationen zur Anwendung kommen. (Abb. 2 a, b)

Wichtig ist nach gelenkerhaltenden wie nach gelenkersetzenden Operationen der rheumatischen Schulter eine intensive physio- und ergotherapeutische Beübung, um eine gute postoperative Funktion mit ausreichender Kraft und Beweglichkeit zu erreichen. Insbesondere im Vergleich zu Operationen bei degenerativer Gelenkerkrankung ist aufgrund der Weichteilsituation und des polyartikulären Befalles ein aufwendigeres und langwieriges Nachbehandlungskonzept notwendig.

Fazit

Die Beteiligung des Schultergelenkes im Rahmen einer rheumatischen Grunderkrankung ist häufig, wird von den Patienten in frühen Stadien jedoch meist als nicht so störend empfunden wie Affektionen im Bereich der Hände oder der unteren Extremitäten. Die persistierende entzündliche Aktivität des Glenohumeralgelenkes und der subakromialen Weichteile führt zu einer progredienten Destruktion der artikulären und periartikulären Strukturen, sodass bei konservativ therapierefraktärem Entzündungsprozess ein eindeutiger Benefit der frühzeitigen operativen Therapie vorliegt. Diese beinhaltet in frühen Stadien die (arthroskopische) Synovialektomie sowie die Versorgung von Begleitpathologien, bei weiterem Progress der Erkrankung sollte die Alloarthroplastik nicht zu lange aufgeschoben werden, da sonst aufgrund der zunehmenden Destruktion der Rotatorenmanschette eher schlechte Ergebnisse erzielt werden. Bei Defektarthropathien des „Rheumatikers“ findet besonders die inverse TEP eine gute Indikation.

Korrespondenzadresse

M. Holder

Klinik für Orthopädie und
Unfallchirurgie

AGAPLESION MARKUS KRANKENHAUS

Akademisches Lehrkrankenhaus der Goethe-Universität

Wilhelm-Epstein-Straße 4

60431 Frankfurt

E-Mail: michael.holder@fdk.info

Literatur

1. Kiekenbeck A, Preis M, Salzmann G. Welche minimalinvasive Therapie ist an der Rheumaschulter sinnvoll? Z Rheumatol 2008; 67: 462–470

2. Biehl C. Die operative Therapie der rheumatischen Schulter. Akt Rheumatol 2011; 36: 118–122

3. Fuerst M. Konservative Therapie an der rheumatischen Schulter. Akt Rheumatol 2011; 36: 113–117

4. Dejaco C, Duftner C, Schirmer M. Neue Entwicklungen bei der Polymyalgia rheumatica. Orthopädie & Rheuma 2011; 14 (11–12): 35–40

5. Naumann L, Hermann KG, Schönberger S, Backhaus M. Bildgebung am Schultergelenk. Akt Rheumatol 2011; 36: 97–102

6. Combe B, Landewe R, Lukas C et al. EULAR recommendations for the management of early arthritis. Ann Rheum Dis 2007; 66: 34–45

7. Holder M, Schöniger A, Rehart S, Kern P. Der entzündliche Aspekt degenerativer Gelenkerkrankungen. arthritis + rheuma 2012; 32: 1–68

8. Schill S, Thabe H, Grifka J Differentialtherapie der rheumatischen Schulter. Orthopäde 2002; 31: 1132–1144

9. Niemeier A, Rüther W. Schulterendoprothetik bei primären Synovialkrankheiten. Z Rheumatol 2011; 70: 380–387

10. Hedtmann A, Werner A. Schulterendoprothetik bei rheumatoider Arthritis. Orthopäde 2007; 36: 1050–1061

11. Rozing PM, Brand R. Rotator cuff repair during shoulder arthroplasty in rheumatoid arthritis. J Arthroplasty; 13: 311–319

Fussnoten

1 Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie, Agaplesion Markus-Krankenhaus, Frankfurt am Main

DOI 10.3238/oup.2012.0192-0196

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