Übersichtsarbeiten - OUP 01/2014

Das schmerzhafte kindliche Hüftgelenk im Notfalldienst

 

Klinik

Im Gegensatz zur septischen Koxitis sind die Patienten mit Coxitis fugax in der Regel gesund bei gutem Allgemeinzustand. Sie klagen über Hüft- oder Knieschmerzen und zeigen ein deutliches Schonhinken, sind aber meistens gehfähig. Die passive Bewegungsprüfung zeigt eine endgradige Einschränkung der Hüftbeugung und Streckung sowie eine Einschränkung der Rotationsfähigkeit. Die Körpertemperatur ist nicht erhöht.

Diagnostik

Sonografie

Es zeigt sich ein deutlicher Erguss (s. Abb. 1) im Bereich des Übergangs vom Kopf zum Hals des Femurs. Dieser Erguss ist jedoch nicht sicher von einem eitri-gen Erguss zu unterscheiden.

 

Röntgenbild

Es zeigt in der Regel einen unauffälligen Befund.

 

Labor

Das CRP liegt bei < 20 mg/l. Die Leukozytenzahl ist < 12000/µl.

Morbus Perthes

Definition

Der Morbus Perthes gehört zur Gruppe der aseptischen Knochennekrosen im Kindesalter. Die Ätiologie ist unbekannt.

 

Ätiologie

Es kommt zu einer avaskulären Nekrose der Epiphyse und konsekutiv zu einer gestörten Ossifikation des Caput femoris. Kinder mit Morbus Perthes weisen eine Skelettreifungstörung auf, wodurch sie im Durchschnitt kleiner sind als Kinder gleichen Alters. Im Erwachsenenalter sind sie dann jedoch nicht kleiner als der Durchschnitt der Bevölkerung

 

Klinik

Der Altersgipfel liegt zwischen dem 4. und 8. Lebensjahr, drei Viertel der Kinder klagen über Hüftschmerz, ein Viertel über Knie- bzw. Oberschenkelschmerz. Die Kinder fallen durch ein Schonhinken auf. Vornehmlich die Abduktion und Innenrotation sind eingeschränkt. Durch den angegebenen Knieschmerz verzögert sich die Diagnose häufig.

 

Klassifikation des Verlaufs

Dauer der Erkrankung im Schnitt 3–5 Jahren. Der Verlauf ist nach Waldenström in charakteristische Stadien unterteilt. In Tabelle 3 sind die Stadien mit ihren typischen Charakteristika im Röntgenbild genannt.

Diagnostik

Sonografie

Die Sonografie des Hüftgelenks erfolgt in der Regel bei Erstkontakt mit der Fragestellung des Gelenkergusses, um die Coxitis fugax ab zugrenzen. Doch auch das Initialstadium des Morbus Perthes weist häufig einen Gelenkerguss auf. Persistiert bei typischer Infektanamnese der Erguss mit entsprechendem Beschwerdebild über die für eine Coxitis fugax üblichen 5–7 Tage, ist auch hier an das Anfangsstadium des Morbus Perthes zu denken.

 

Röntgenbild

Das Nativröntgenbild Beckenübersicht und Hüftgelenk bds. axial ist zur Diagnosestellung ausreichend. Bei der Erstvorstellung im Rahmen von erstmals aufgetreten Schmerzen wird sich unter Umständen noch keine Pathologie zeigen, wenn die Erkrankung in einem sehr frühen Stadium ist. Das erste radiologische Zeichen im Initialstadium ist eine Gelenkspaltverbreiterung (s. Abb. 2, 3).

 

Labor

Unauffällig

Epiphysiolysis capitis femoris

Die akute ECF ist eine Diagnose, die nicht übersehen werden darf, da es im Rahmen des Epiphysenabrutsches zu einer nachhaltigen Durchblutungsstörung des Fe-murkopfs mit der Gefahr der Hüftkopfnekrose kommen kann. Bei der akuten Form liegt das Risiko bei 16–18 % [13]. Handelt es sich um eine akute instabile Form der ECF ist das Nekroserisiko deutlich höher einzustufen [10].

 

Definition

Nicht traumatische Epiphysenlösung der Wachstumsfuge des proximalen Femurs im pubertären Alter. Die Epiphyse verlagert sich nach medial und dorsal.

 

Ätiologie

Durch hormonellen Einfluss kommt es während der Pubertät zu einer mechanischen Schwächung der Epihysenfugen [11]. Die Fuge des proximalen Femurs ist besonderen mechanischen Belastungen ausgesetzt. Kommt es in dieser Wachstumsphase durch Übergewicht oder besondere mechanische/sportliche Belastung zu einer zusätzlichen Belastung, kann es zur Epiphysenlösung kommen.

 

Klinik

Häufig findet sich der typische Habitus der Dystrophia adiposogenitalis (Fröhlich-Syndrom). Der Altersgipfel liegt bei Jungen zwischen dem 13. und 17. Lebensjahr, bei Mädchen zwischen dem 11. und 15. Lebensjahr. Es gibt jedoch auch deutlich jüngere Patienten mit ECF [9]. Die Klinik reicht abhängig von der Verlaufsform von gelegentlichen Schmerzen im Bereich Knie, Oberschenkel und Hüftgelenk bei chronischem Verlauf und geringem Abrutschwinkel, bis hin zu völliger
Gehunfähigkeit bei akutem Abrutsch der Epiphyse. Typischerweise wird das betroffene Bein außenrotiert gehalten. Versucht man bei der körperlichen Untersuchung das betroffene Bein zu beugen, weicht es automatisch in die Außenrotation ab. Die Innenrotation ist entsprechend eingeschränkt. Dieses klinische Zeichen heißt positives Drehmann-Zeichen.

 

Klassifikation

Man unterscheidet [10]

Diagnostik

Sonografie

Im Seitenvergleich findet sich häufig ein Erguss auf der betroffenen Seite. Die Diagnose der ECF lässt sich jedoch nur schwer sonografisch erheben, insbesondere bei kleinen Abrutschwinkeln.

 

Röntgenbild

Das Nativröntgenbild Beckenübersicht und Hüftgelenk bds. axial ist zur Diagnosestellung ausreichend. Da beide Hüftgelenke betroffen sein können (ca. 20 %), müssen immer beide Hüftgelenke untersucht werden [8]. In der a.-p-Aufnahme ist die Diagnose häufig schwer zu stellen. Hilfreich ist hier das Anlegen einer Tangente an den lateralen Schenkelhals (Klein‘s-Linie). Die Epiphyse ragt im Vergleich zur nicht abgerutschten Seite nicht über die angelegte Tangente hinaus (s. Abb. 4). Die Höhe der abgerutschten Epiphyse kann im Seitenvergleich gemindert erscheinen. Im axialen Strahlengang ist die dorsale Position der Epiphyse deutlicher zu erkennen (s. Abb. 5). Im initialen Stadium ist unter Umständen noch kein Abrutsch festzustellen. Es zeigt sich dann unter Umständen eine Verbreiterung der Fuge im Seitenvergleich. Diese Form wird incipiente Form genannt.

Bestimmung des Abrutschwinkels

Labor

Unauffällig

Vorgehen in der Praxis

Eine genaue Anamneseerhebung in Abhängigkeit vom Alter ist unabdingbar. Diese muss beinhalten:

  • Trauma in der Anamnese?
  • Infekt der Atemwege oder gastrointestinaler Infekt?
  • Fieber?
  • Dauer der Beschwerden, Häufigkeit/Verlauf der Beschwerden?
  • Medikamenteneinnahme ?
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