Übersichtsarbeiten - OUP 09/2017

Der Spätinfekt in der Kniegelenkendoprothetik
Diagnostik und TherapieDiagnosis and therapy

Eine radikale chirurgische Therapie, insbesondere im Sinne einer ein- oder zweizeitigen Wechseloperation, muss in Kombination mit einer gezielten resistogrammgerechten antibiotischen Therapie erfolgen. Eine kalkulierte Antibiotikatherapie sollte sich insbesondere an der Häufigkeit der unterschiedlichen Keime orientieren. Bei Spätinfekten im Bereich der Kniegelenkendoprothetik sind insbesondere koagulase-negative Staphylokokken bei der Wahl der antibiotischen Therapie zu berücksichtigen. Eine Kombination von Cephalosporinen wie Cefazolin mit Rifampicin, einem biofilmaktiven Antibiotikum, scheint dabei sinnvoll, auch um das Risiko einer Resistenz zu mindern. Durch die Kombination scheinen ebenfalls Vorteile durch die intrazelluläre Wirkung bei small colony variants zu bestehen. Beim prothesenerhaltenden Therapiekonzept sollte die antibiotische Therapie eine Dauer von mindestens 6 Wochen, bis hin zu 6 Monaten insbesondere bei infizierten Knieprothesen betragen [3]. Beim zweizeitigen Prothesenwechsel kann auf biofilmaktive Antibiotika initial verzichtet werden. Eine Therapiedauer von 6 Wochen bis zu 3 Monaten sollte eingehalten werden, wobei die Wirksamkeit einer antiinfektiösen Therapie weder durch die Art der Applikation, noch durch die Therapiedauer wissenschaftlich eindeutig belegt ist. Eine prolongierte intravenöse Therapie mit Oralisierung nach 2–6 Wochen, je nach klinischem Befund, ist verbreitet [3]. Andere Autoren empfehlen, die Dauer der Antibiose bis zur Normalisierung des CRP zu beschränken. Die antibiotische Therapie ist insgesamt so kurz wie möglich und so lang wie nötig zu halten, um irrational lange als auch unwirksame antibiotische Therapien zu vermeiden. Diese können durch Resistenzentwicklungen sowie Nebenwirkungen im Sinne von Blutbildveränderungen, Nieren- und Leberfunktionsstörungen, gastrointestinale Effekte (z. B. Clostridium difficile-Colitis) den Patienten maßgeblich gefährden.

Ist eine erneute sichere Verankerung nach septischem Knieprothesenausbau nicht möglich oder eine aufgehobene Gelenkfunktion zu erwarten, so stellt die Arthrodese im Kniegelenkbereich eine sinnvolle Alternative zur chirurgisch aufwändigen Wechseloperation dar. Diese kann über einen äußeren Verspanner (Fixateur extern), ein intramedulläres Implantat oder eine Doppelplattenosteosynthese erfolgen. Die Oberschenkelamputation stellt eher die Ultima-Ratio-Therapie dar. Diese kann in seltenen Fällen auch notfallmäßig notwendig sein. Dank der modernen Exoprothetik kann dem Patienten jedoch durchaus ein Leben mit Lebensqualität und Funktionalität beschert werden.

Interessenkonflikt: Keine angegeben

Korrespondenzadresse

Dr. med. Ingo Flesch

BG Unfallklinik Tübingen

Klinik für Unfall- und Wiederherstellungschirurgie der

Eberhard Karls Universität Tübingen

Schnarrenbergstr. 95

72076 Tübingen

iflesch@bgu-tuebingen.de

Literatur

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2. Moran E, Byren I, Atkins BL: The diagnosis and management of prosthetic joint infections. J Antimicrob Chemother 2010; 65 Suppl 3: iii45–54

3. Osmon DR, Berbari EF, Berendt AR et al.: Diagnosis and management of prosthetic joint infection: clinical practice guidelines by the Infectious Diseases Society of America. Clin Infect Dis 2013; 56: e1-e25

4. Otto-Lambertz C, Yagdiran A, Wallscheid F et al.: Periprothetische Infektionen beim Gelenkersatz. Dtsch Arztebl International 2017; 114: 347–353

5. Parvizi J, Della Valle CJ: AAOS Clinical Practice Guideline: diagnosis and treatment of periprosthetic joint infections of the hip and knee. J Am Acad Orthop Surg 2010; 18: 771–772

6. Societe De Pathologie Infectieuse De Langue F, College Des Universitaires De Maladies Infectieuses Et T, Groupe De Pathologie Infectieuse P et al.: Recommendations for bone and joint prosthetic device infections in clinical practice (prosthesis, implants, osteosynthesis). Societe de Pathologie Infectieuse de Langue Francaise. Med Mal Infect 2010; 40: 185–211

7. Trampuz A, Zimmerli W: Diagnosis and treatment of implant-associated septic arthritis and osteomyelitis. Curr Infect Dis Rep 2008; 10: 394–403

8. Wengler A, Nimptsch U, Mansky T: Hip and knee replacement in Germany and the USA: analysis of individual inpatient data from German and US hospitals for the years 2005 to 2011. Dtsch Arztebl Int 2014; 111: 407–416

9. Windisch C, Brodt S, Roehner E et al.: C-reactive protein course during the first 5 days after total knee arthroplasty cannot predict early prosthetic joint infection. Arch Orthop Trauma Surg 2017; 137: 1115–1119

Fussnoten

1 BG Unfallklinik Tübingen, Klinik für Unfall- und Wiederherstellungschirurgie der Eberhard Karls Universität Tübingen

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