Originalarbeiten - OUP 06/2013

Einschränkung von Taluskippung und -vorschub durch Sprunggelenkorthesen nach fibularer Bandruptur

Im Rahmen des durchgeführten Versuchs wurden Röntgenaufnahmen des Fußmodells in 3 verschiedenen Umständen angefertigt. Die Abbildungen 2 und 3 zeigen exemplarisch Röntgenbilder von 2 Orthesen im Test. Die jeweils erste Aufnahme zeigt das Modell mit angelegten Bändern. Für die darauffolgende Aufnahme wurden das Lig. talofibulare anterius und das Lig. calcaneofibulare gelöst, um so eine Bandruptur zu simulieren. Neuerdings wurde ein röntgenstrahlenfreies Messverfahren zur Bewertung der mechanischen Komponente der chronischen Kapselbandinstabilität in der Sagittalebene vorgestellt, das auch direkt an Probanden einsetzbar wäre [10].

Ergebnisse

Die Ergebnisse der Messungen von Talusvorschub und Taluskippung wurden nach folgendem Schema bewertet, das nach der Einteilung des Schweregrads nach Zwipp erstellt wurde [8], s. Tabellen 1 und 2.

Diskussion

Zunächst muss darauf hingewiesen werden, dass aufgrund der Anzahl der Messungen im Rahmen der vorliegenden Studie qualitative Ergebnisse erzielt wurden, die keine statistische Aussagekraft besitzen. Das Resultat der vorliegenden Arbeit ist aber ein Überblick über die qualitativ unterschiedlichen Stabilisierungseigenschaften der getesteten Orthesen, da bei allen voneinander unabhängigen Messungen stets gleiche bzw. ähnliche Ergebnisse hinsichtlich der Bewertung der untersuchten Orthesen erzielt werden konnten.

In beiden Messungen schnitten die Arcus Sprunggelenkorthese und die L&R Cellacare Tarsotec mit einem „guten“ Ergebnis am besten ab. 3 Orthesen schnitten jeweils in einer Kategorie „gut“ und in der zweiten mit „befriedigend“ ab. Hierbei handelt es sich um die Bauerfeind MalleoLoc, die Push Med Ankle Brace und die Rehband Ankle Brace.

Die Push Med Ankle Brace Aequi Flex wurde mit „mangelhaft“ und „ausreichend“ bewertet. Der Orthotech Stabilschuh erhielt sowohl beim Talusvorschub als auch bei der Taluskippung eine „mangelhafte“ Bewertung.

Für die Sicherung des Talusvorschubs und der Taluskippung scheint generell eine eng anliegende, im Gelenkbereich anatomisch angepasste Orthese, die die Malleolen fest umschließt, vorteilhaft zu sein.

Alle Orthesen, die ein „gutes“ oder „befriedigendes“ Ergebnis erzielen konnten, kommen nah an physiologische Werte heran und sind somit für die konservativ frühfunktionelle Behandlung der fibularen Bandruptur besonders empfehlenswert. Mit „ausreichend“ bewertete Orthesen sind nur bedingt zu empfehlen, da möglicherweise ein zusätzlicher Stabilisierungseffekt durch im Modell nicht berücksichtigte Faktoren hinzukommt. Der Einsatz der Orthesen mit Ergebnis „mangelhaft“ ist fraglich.

 

Interessenkonflikt: Die Autoren erklären, dass kein Interessenkonflikt im Sinne der Richtlinien des International Committee of Medical Journal Editors besteht.

Korrespondenzadresse

Prof. Dr. med. Walter van Laack

Mühlenstraße 41–47

52134 Herzogenrath

Dr.vanLaack@web.de

Literatur

1. Lohrer H, Alt W, Gollhofer A et al.: Verletzungen am lateralen Kapselbandapparat des Sprunggelenks – eine Übersicht. Dtsch Z Sportmed 2000; 51: 196–203

2. Petersen W, Liebau C, Brüggemann GP et al.: Phasenadaptierte Therapie akuter Bandverletzungen des Sprunggelenks beim Sportler. Sport Orthop. Traumatol 2010; 26: 254–260

3. Rammelt S, Grass R, Biewener A et al.: Bandverletzungen am oberen Sprunggelenk, Trauma und Berufskrankheit 2003; 5: 170–178

4. Rockenstein R: Die frischen lateralen Bandverletzungen am oberen Sprunggelenk. Hefte zur Unfallheilkunde 1978; 131: 105–115

5. Valderrabano V, Wiewiorski M, Frigg A et al.: Chronische Instabilität des oberen Sprunggelenks. Unfallchir 2007; 110: 691–700

6. Weigel B: Praxisbuch Unfallchirurgie. 2. Auflage, Berlin Heidelberg: Springer, 2011

7. Weigel B, Nerlich M: Diagnostik und Therapie der Bandverletzung des Sprunggelenks. Der Chirurg 1998; 69: 994–1010

8. Zwipp H: Die antero-laterale Rotationsinstabilität des oberen Sprunggelenkes. Hefte zur Unfallheilkunde 1986; 177: 123–156

9. Zwipp H: Chirurgie des Fußes. Wien New York: Springer Verlag, 1994

10. Nauck T, Lohrer H, Gollhofer A: Entwicklung und Validierung eines Sprunggelenkarthrometers zur Bestimmung der mechanischen Sprunggelenkinstabilität. Dtsch Z Sportmed 2011; 62: 380–385

11. Petersen W, Liebau C, Brüggemann GP et al.: Neue Aspekte in der Therapie von Bandverletzungen des Sprunggelenkes. OUP 2010; 46: 431–436

Fussnoten

Institut für Bioengineering (IfB), Labor Biomechanik, FH Aachen, Campus Jülich

Orthopädische Gemeinschaftspraxis und Zentrum für ambulante arthroskopische Operationen, Prof. Dr. med. Walter van Laack & Dr. med. Gerd Froning,
Herzogenrath bei Aachen

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