Übersichtsarbeiten - OUP 06/2025

Gelenkerhaltende Rheumachirurgie

Für gelenkerhaltende Eingriffe bei rheumatischen Fußdeformitäten ist die externe Evidenz am größten, wobei die überwiegende Anzahl der Studien aus dem asiatischen Raum stammt [12]. Hierfür werden proximale, diaphysäre oder distale Korrekturosteotomien des 1. Strahls kombiniert mit Weichteilkorrekturen, Sehnentransfers und/oder Osteotomien für den 2. bis 5. Strahl. Bei den Studien handelt es sich zumeist um Fallserien. Ein Kohorten-Vergleich aus dem Jahr 2021 beschreibt bessere funktionelle Ergebnisse und eine geringere Rezidivrate der Hallux valgus-Deformität bei gelenkerhaltenden Techniken im Vergleich zur Resektionsarthroplastik [13]. In einem Kohortenvergleich aus dem Jahr 2024 wird beschrieben, dass gelenkerhaltende Eingriffe auch bei fortgeschrittener Gelenkschädigung (Larsen Stadium 3 und 4) über einen mittleren Beobachtungszeitraum von 40 Monaten zu einer vergleichbaren klinischen Verbesserung führen wie bei geringer Gelenkschädigung (Larsen Stadium 1 und 2) [14].

Kniegelenkserhaltende Rheuma-Chirurgie

Bezüglich kniegelenksnaher Osteotomien zur Deformitäten-Korrektur bei entzündlichen Gelenkerkrankungen liegen lediglich Fallberichte vor. Eine Fallserie mit n = 2 von valgisierender open wedge Tibiakopf-Osteotomie bei RA-Patientinnen und -Patienten unter Kombinationstherapie (MTX, Abatacept, Prednisolon bzw. MTX und Golimumab) zeigte zufriedenstellende Ergebnisse im Zweijahres-Follow-up, sodass die Autoren vorschlagen, gelenkerhaltende Osteotomien bei einem ausgewählten Patientengut auch bei RA durchzuführen [15]. Keine Evidenz findet sich zur Frage, ob sich die verschiedenen Operationstechniken (z.B. aufklappende oder zuklappende Osteotomie am Tibiakopf) hinsichtlich ihrer Eignung bei Patientinnen und Patienten mit entzündlich-rheumatischer Erkrankung unterscheiden. Ebenso findet sich keine Evidenz zur Verwendung eines partiellen Kniegelenksersatzes (Patellofemoralersatz, unikondyläre Schlittenprothese, individueller Oberflächenersatz) bei entzündlichen Gelenkerkrankungen.

Zusammenfassung

Die Fortschritte in der medikamentösen Behandlung von entzündlich-rheumatischen Erkrankungen legen nahe, dass gelenkerhaltende Operationsverfahren aus der klassischen orthopädischen Chirurgie auch in diesem Patientenkollektiv angewendet werden können. Die externe Evidenz ist für gelenkerhaltende Chirurgie des Rheumafußes gut, für andere Gelenke quasi nicht existent. Nach Einschätzung des Autors ist gelenkerhaltende Rheumachirurgie gerechtfertigt im Falle einer stabilen Remission und nach suffizienter Patientenaufklärung.

Interessenkonflikte:

Keine angegeben.

Das Literaturverzeichnis zu
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www.online-oup.de.

Korrespondenzadresse

Prof. Dr. med. Hans-Dieter Carl

Krankenhaus Martha-Maria

St. Theresien

Stadenstraße 58

90491 Nürnberg

hans-dieter.carl@martha-maria.de

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