Informationen aus der Gesellschaft - OUP 03/2026
USA-Reisebericht 2026Ein Stipendium der Superlative mit hoher Flexibilität
Ein abschließendes Treffen mit Daniel Berry bei ihm zu Hause am Küchentisch und ein fabelhafter 2009er Cabernet Sauvignon aus dem Napa Valley halfen uns, die gesammelten Eindrücke und Gedanken der letzten knapp zwei Wochen in Rochester einzuordnen und diese unvergessliche Zeit noch einmal Revue passieren zu lassen (Abb. 4).
Das HSS in New York – Fest im Griff des Jahrhundertblizzards
Auch in New York hatte uns das Wetter weiterhin fest im Griff – diesmal jedoch nicht in Form einer klirrenden Kälte wie zuvor, sondern als ausgewachsener Blizzard, der die Millionenmetropole unter einer dichten Schneedecke begrub und das sonst so geschäftige Leben in ihr für kurze Zeit nahezu vollständig zum Stillstand brachte. So sollte auch der zweite Teil unserer Reise nicht nur fachlich in unserer Erinnerung bleiben (Abb. 5, 6).
Unsere Station in New York führte uns an das Hospital for Special Surgery, kurz HSS, das international einen exzellenten Ruf in der Orthopädie und Unfallchirurgie genießt und diesen Umstand auch zurecht ganz stolz auf einem großen Banner über der 71st Avenue präsentiert.
Am HSS begrüßte uns Celia Aboaf, eine sehr aufgeweckte wissenschaftliche Assistentin, die wir im Büro von Friedrich Böttner trafen. Kaum angekommen, folgten wir Celia durch die verworrenen Gänge des HSS, über den Skywalk der 71st mit dem stolzen Banner, hinein in den OP-Trakt, der sich auf mehrere Stockwerke fast organisch anmutend ausbreitet. Die Anordnung der OP-Säle erschloss sich uns weder auf den ersten noch auf den zweiten Blick. Sie schien jedoch für keinen der OP-Mitarbeitenden eine Herausforderung zu sein, die uns sicher, sobald wir auf Irrwegen waren, zurück zu unseren OP-Sälen navigierten.
Inhaltlich lagen einmal mehr die Schwerpunkte entweder auf der Sportmedizin und Sporttraumatologie oder auf der Wirbelsäulenchirurgie. So konnten wir unter anderem die Arbeit von Sabrina Strickland, Tony Wanich und Andreas Gomoll kennenlernen. Besonders beeindruckend war die selbstverständliche Integration moderner Technologien und innovativer operativer Verfahren in den klinischen Alltag. So erhielten wir Einblicke in etablierte, aber auch in neuere Techniken, beispielsweise im Bereich des synthetischen und allogenen Knorpelersatzes. Darüber hinaus konnten wir bei Austin Fragomen komplexe Rekonstruktionsverfahren und Umstellungsoperationen beobachten, die das breite operative Spektrum des Hauses eindrucksvoll unterstrichen. Auf Seiten der Wirbelsäulenchirurgie besprachen wir mit Alexander Hughes und Sheeraz Quereshi Indikationen und Techniken zum XLIF und bewegungserhaltende Operationstechniken sowie deren unterschiedlich wirtschaftlichen Aspekte in der Patientenversorgung. Passend dazu waren wir besonders beeindruckt von der enormen Effizienz der operativen Abläufe. Im Vergleich zu unseren vorherigen Eindrücken zeigte sich am HSS noch einmal ein deutlich anders organisierter OP-Betrieb: Viele Operateurinnen bzw. Operateure arbeiteten parallel in zwei Sälen mit zwei ihnen fest zugeteilten Teams, wodurch ein bemerkenswert dichtes und zugleich hochstrukturiertes Operationsprogramm umgesetzt werden konnte. Diese logistische Präzision und Routine waren ebenso beeindruckend wie die chirurgische Expertise selbst.
Das eng getaktete OP-Programm sollte uns jedoch nicht davon abhalten, New Yorks einmaligen Charme als „Capital of the World” an den Abenden und am Wochenende zu entdecken. Damit wir uns nicht wie einst im OP-Trakt des HSS in dem unendlichen kulturellen Angebot der Stadt verirren, lud uns Friedrich Böttner an einem der Wochenenden zum Spiel der New York Knicks in den Madison Square Garden ein. Selbst bei Zuschauern, die sich nur wenig für Sport begeistern können, schlug bei diesem aufgeheizten Spektakel der Funke über. Eine ähnlich opulente Reizüberflutung mit Suchtfaktor findet man sonst nur in den kurzatmigen Videoclips auf Instagram und Tiktok.
Genauso schnell, wie die Zeit in Rochester verstrich, endete auch unsere Zeit in New York. Zum Abschluss unseres Aufenthaltes folgten wir der Einladung von Friedrich Böttner zum Abendessen in einem der äußerst schicken Lokale in der Upper East Side. Hier trafen wir noch einmal auf Celia und Friedrich Böttner, von denen wir uns mit einer kleinen Aufmerksamkeit aus Deutschland verabschieden durften.
Der AAOS in New Orleans – Hedonismus und Edukation
Die frostigen Temperaturen der vorangegangenen Tage ließen wir in New Orleans bei 27°C und Sonnenschein hinter uns. Unverkennbar ist das französische Erbe dieser Stadt, die nach dem offiziellen Ende des Mardi Gras noch längst nicht zur Ruhe gekommen war. Zwar waren die großen Karnevalsumzüge bereits vorbei, doch die Straßen, Plätze und Lokale standen weiterhin ganz im Zeichen einer nicht enden wollenden Feierlaune, die New Orleans den Beinamen „The Big Easy“ verleiht (Abb. 7).
Obwohl dieser Hedonismus und die Jazz-Atmosphäre uns mehr als faszinierten, waren wir wegen des weltgrößten orthopädischen Kongresses, dem „Annual Meeting” der „American Academy of Orthopaedic Surgeons”, angereist. Weltgroß war auch das Messezentrum, das Ernest N. Morial Convention Center, dessen gesamte Durchquerung einen 15-minütigen Fußweg bedeuteten (Abb. 8).
Inhaltlich bot der diesjährige AAOS ein durchweg beeindruckendes Niveau. Besonders positiv fiel auf, dass im Unterschied zu den Vorjahren der Zugang zu allen Sessions kostenfrei möglich war, einschließlich der sonst separat zu buchenden speziellen Sitzungen wie den Instructional Course Lectures (Abb. 9). Dadurch ergab sich die Möglichkeit, das Programm noch flexibler und umfassender wahrzunehmen. Die Qualität der Vorträge und der Referenten war dabei durchweg hochkarätig und spiegelte die enorme fachliche Bandbreite der Veranstaltung wider. Neben den klassischen Präsentationsformaten waren es vor allem die interaktiveren Angebote, die für uns einen besonderen Mehrwert boten. Formate wie „Ask an Expert“ oder Präsentationen in Form von Case Discussions in kleineren Gruppen ermöglichten eine vertiefte inhaltliche Auseinandersetzung sowie einen unmittelbaren Austausch mit erfahrenen Kolleginnen und Kollegen aus der ganzen Welt.
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