Übersichtsarbeiten - OUP 06/2025
Chirurgie des Rheumafußes
Kathryn Hassel
Zusammenfassung:
Die Behandlung der rheumatischen Vorfußdeformität bleibt eine Herausforderung für die Chirurgin bzw. den Chirurgen. Auch wenn es durch die moderne immunmodulierende Therapie zur besseren Kontrolle der Krankheitsaktivität kommt, so kommt es doch im Verlauf der Erkrankung in 85–100 % zum Befall der Fußgelenke mit teils erheblichen Destruktionen [1].
Um sich der Thematik und der Behandlung des Rheumafußes anzunähern, bedarf es einiger spezifischer Überlegungen. Es wird ein multimodales Konzept benötigt, um dieses Patientenklientel erfolgreich und suffizient zu behandeln. Somit soll der Artikel eine Hilfestellung bieten zur Herangehensweise an die Behandlung des Rheumafußes mit all den Fragen, die man sich stellen muss.
Schlüsselwörter:
Vorfußchirurgie, Rheumatoide Arthritis, Remission, Rheumaorthopädie
Zitierweise:
Hassel K: Chirurgie des Rheumafußes
OUP 2025; 14: 251–255
DOI 10.53180/oup.2025.0251-0255
Abstract: The management of rheumatic forefoot deformity remains a challenging task for the surgeon. Although modern immunomodulatory therapies have improved the control of disease activity, the condition still involves the foot joints in 85–100 % cases, often leading to significant destructions [1]. In order to adequately address the topic and treatment of the rheumatic foot, certain specific considerations must be taken into account. A multimodal approach is essential to effectively and sufficiently treat this patient population.
Keywords: Forefoot surgery, rheumatoid arthritis, remission, rheumatoid orthopedics
Citation: Hassel K: Surgery of rheumatic foot
OUP 2025; 14: 251–255. DOI 10.53180/oup.2025.0251-0255
Abteilung Orthopädische Rheumatologie, Vitos Orthopädische Klinik Kassel
Einleitung
Auch 25 Jahre nach Einführung der Biologika im Jahre 2000 gibt es ihn noch, den rheumatischen Hallux valgus mit all seinen typischen Veränderungen: Der rheumatische Fuß entwickelt sich durch die chronischen Entzündungen der Gelenke/Sehnen und der Bänder. Es kommt zu einem Pes planovalgus mit Rückfußvalgus und Abflachung des Längsgewölbes aufgrund der Insuffizienz der Tibialis posterior-Sehne. Hieraus entsteht der typische rheumatische Hallux valgus im Vorfußbereich mit einer Fibuladeviation der Kleinzehen sowie einer Luxation der Grundgliedbasen mit plantarer Schwielenbildung und Bursitiden.
Die Operationsindikation muss im Gesamtkontext mit der chronischen Erkrankung gesehen werden. Gibt es dringlichere Eingriffe und kann die Patientin bzw. der Patient eine postoperativ notwendige Entlastung durchführen, wenn ja mit welchen Hilfsmitteln? Wie hoch ist die Krankheitsaktivität? Dies sind nur ein paar Fragen, die es vor dem Stellen einer OP-Indikation zu beantworten gilt.
Anamnese
Entscheidend für die weitere Planung ist das Gespräch mit der Patientin bzw. dem Patienten. Hier sollten zunächst die grundlegenden Fragen beantwortet werden, ob und inwieweit der Alltag der Patientin bzw. des Patienten durch die Veränderungen eingeschränkt ist. Droht eine Immobilisierung? Bestehen nicht beherrschbare Schmerzen? Ist die konservative Therapie ausgereizt? Gibt es weitere, vielleicht dringlichere Operationen, die zuerst durchgeführt werden sollten, entsprechend dem rheumaorthopädischen Behandlungskonzept.
Da hieraus oft ein langjähriges Therapiekonzept resultiert, ist die interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen internistischen und orthopädischen Rheumatologinnen und Rheumatologen sowie Therapeuten und Orthopädietechnikern erforderlich. Manchmal kann auch bereits orthopädisches Maßschuhwerk Abhilfe schaffen und vermeidet zunächst weitere operative Schritte (Abb. 1).
Beachtung der medikamentösen Basistherapie
Eine Kenntnis der Grunderkrankung sowie der medikamentösen Therapie sollte bei der Fußchirurgin bzw. beim Fußchirurgen vorhanden sein. Ebenfalls muss das perioperative Management der Medikation beherrscht werden. Welche Medikation nimmt die Patientin bzw. der Patient ein und seit wann? Ist eine operative Therapie zum aktuellen Zeitpunkt, z.B. nach einer Neueinstellung auf ein Biologikum überhaupt machbar? In den ersten 6 Monaten nach Beginn der Biologikatherapie wird von einem erhöhten Infektionsrisiko ausgegangen aufgrund erhöhter Krankheitsaktivität und des höheren Glukokortikoidbedarfs. Entsprechend sollten in diesem Intervall keine elektiven Eingriffe durchgeführt werden.
Entsprechend der Handlungsempfehlungen sollte die Medikation präoperativ pausiert werden, um Wundheilungsstörungen zu vermeiden [2] . Auch sollte der Operateurin bzw. dem Operateur bewusst sein, dass mit einer höheren Dosis an Kortikosteroiden (> 10 mg/Tag) das Risiko für Wundheilungsstörungen deutlich steigt [2]. Bei komplexeren Fußeingriffen sollte die Medikation mit Leflunomid vor der Operation über 5 Tage mit Cholestyramin ausgewaschen werden.
Entscheidend für die Auswahl der OP-Prozedur und für das Outcome ist die aktuelle Krankheitsaktivität. Ist die Krankheit in Remission, so können entsprechend des Destruktionsgrades der Gelenke auch gelenkerhaltende Eingriffe zur Anwendung kommen. Im klinischen Alltag wird zur Bestimmung der Krankheitsaktivität der DAS 28 (Disease Activity Score 28) verwendet. In diesem häufig verwendeten Score ist jedoch der Fuß nicht mit abgebildet. Das kann zu einer Fehleinschätzung der Krankheitsaktivität führen. Besteht bei der Patientin bzw. dem Patienten eine aktive Erkrankung ohne Remission kann es nach operativen und gelenkerhaltenden Eingriffen zu raschen Rezidiven kommen [3].
Inspektion und Untersuchung
Die Grundsätze in der klinischen Untersuchung des rheumatischen Fußes sind denen des herkömmlichen Fußes identisch. Vor allen fußchirurgischen Eingriffen sollten die Pulse sowie die Sensibilität und die Vibration mit der Stimmgabel überprüft und dokumentiert werden. Beim Rheumatiker aufgrund der Komorbiditäten durch z.B. den langjährigen Glukokortikoidgebrauch ganz besonders. Palpatorisch oder auch sonografisch erfolgt dann die Detektion etwaiger bestehender Synovialitiden oder auch rheumatypischer Bursitiden, die bei einer Operation mitentfernt werden müssen (Abb. 2–4).
Planung der operativen
Prozedur
Nach Anfertigung der Röntgenbilder in den Standardebenen erfolgt die genaue Beurteilung. Hier spielt die gelenknahe Osteoporose der Rheumatikerin bzw. des Rheumatikers eine entscheidende Rolle.
