Übersichtsarbeiten - OUP 11/2014

Die Plattenosteosynthese als neue Alternative zur Behandlung von Patellafrakturen

Bedeutsamer als die höhere Versagenslast der Plattenosteosynthese ist jedoch die Tatsache, dass mit der Patellaplatte eine exakte Reposition auch komplexer Frakturen zu erreichen ist und dass diese auch unter Belastung gehalten wird. Bei unseren Tests zeigte sich auch unter maximaler Last keine Frakturspaltöffnung über 2 mm, wohingegen bei der Zuggurtung schon unter 350 N eine Frakturspaltöffnung von 2 mm und mehr resultierte, was in vivo die Frakturheilung negativ beeinflussen und gegebenenfalls zu Pseudarthrosen führen kann. Demgegenüber bewirkt die Stabilität der Reposition unter Belastung eine schnellere Konsolidierung der Fraktur und damit eine frühere funktionelle Nachbehandlung [9].

Auch die ersten klinischen Ergebnisse zeigten ein sehr gutes Outcome und das, obwohl ein Drittel der nachuntersuchten Patienten erst im Rahmen einer Revision mit der Platte versorgt wurde und wir die Platte überwiegend bei komplexen Frakturen angewendet haben. Insgesamt 58 % der Patienten hatten ein exzellentes Outcome, 16 % beklagten belastungsabhängige Schmerzen, jedoch ohne funktionelle Beeinträchtigungen. In der Literatur wird nach Zuggurtungs- bzw. Schraubenosteosynthese eine deutlich höhere Komplikationsrate angegeben mit 30–50 %, die noch (belastungsabhängige) Schmerzen haben, und 15–30 % mit funktionellen Einschränkungen [3]. In den 3 Fällen, in denen es zu einer sekundären Dislokation kam, war das Problem (wie in Fall 2 dargestellt) eine Lage der proximalsten oder distalsten Schraube im Frakturspalt, sodass es in diesem Bereich zu einem Versagen der Osteosynthese kam. Bei Frakturen, bei denen sich aufgrund der Anzahl oder Lage der Fragmente eine Schraubenlage im Frakturspalt nicht vermeiden lässt, empfiehlt sich daher die zusätzliche Stabilisierung mit frakturspaltüberbrückenden Schrauben.

Neben den guten ersten klinischen Ergebnissen der Plattenosteosynthese ist ein weiterer Vorteil der Patellaplatte der relativ kleine Zugangsweg. Zudem schmiegt sich die Platte durch ihre anatomische Form sehr gut an den Knochen an, was Weichteilirritation verhindert, sodass eine Materialentfernung nicht obligat ist.

Abschließend lässt sich sagen, dass die winkelstabile Plattenosteosynthese eine hohe mechanische Stabilität und eine gute Ausheilung auch nach komplexen Patellafrakturen aufweist, sodass sie eine gute Alternative in der Versorgung von Patellafrakturen darstellt. Eine sorgfältige Schraubenplatzierung ist jedoch essenziell, und je nach Komplexität der Fraktur kann eine additive Stabilisierung mit frakturspaltüberbrückenden Schrauben erwogen werden, da es bei suboptimaler Schraubenlage zu Heilungskomplikationen kommen kann.

Interessenkonflikt: Die Patellaplatten für die biomechanische Testung wurden von der Fa. Arthrex (München, Deutschland) zur Verfügung gestellt.

Korrespondenzadresse

Dr. Simone Wurm

Berufsgenossenschaftliche
Unfallklinik Murnau

Prof. Küntscher-Str. 8

82418 Murnau

Simone.Wurm@bgu-murnau.de

Literatur

1. Benjamin J, Bried J, Dohm M et al. Biomechanical evaluation of various forms of fixation of transverse patellar fractures. J Orthop Trauma 1987; 1: 219–222

2. Koval KJ, Kim YH. Patella fractures. Evaluation and treatment. Am J Knee Surg 1997; 10: 101–108

3. Wild M, Windolf J, Flohé S. Patellafrakturen. Unfallchirurg 2010; 113: 401–412

4. Galla M, Lobenhoffer P. Frakturen der Patella. Chirurg 2005; 76: 987–999

5. Carpenter JE, Kasman RA, Matthews LS. Fractures of the patella. J Bone Joint Surg AM 1993; 75: 1550–1561

6. Wild M, Khayal T, Miersch D et al. Die Zuggurtungsosteosynthese nach Patellafraktur. Unfallchirurg 2008; 111: 892–897

7. Burvant JG, Thomas KA, Alexander R et al. Evaluation of methods of internal fixation of transverse patella fractures: a biomechanical study. J Orthop Trauma 1994; 8: 147–153

8. Carpenter JE, Kasman RA, Patel N et al. Biomechanical evaluation of current patella fracture fixation techniques. J Orthop Trauma 1997; 11: 351–356

9. Augat P, Simon U, Liedert A, et al. Mechanics and mechano-biology of fracture healing in normal and osteoporotic bone. Osteoporos Int 2005; 16/2: 36–43

Fussnoten

1 Berufsgenossenschaftliche Unfallklinik Murnau

2 Institut für Biomechanik, Berufsgenossenschaftliche Unfallklinik Murnau und Paracelsus Medizinische Privatuniversität Salzburg

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