Übersichtsarbeiten - OUP 06/2019

Revision der instabilen Schulterendoprothese und Komplikationen

Jörn Kircher, Marius Junker, Jörg Weber

Zusammenfassung:
Das Auftreten einer Instabilität im Zusammenhang mit einer Schulterendoprothese ist ein
häufiges klinisches Problem und stellt einen der häufigsten Gründe für eine Revisionsoperation dar. Die Vermeidung auslösender Faktoren bei der Primärimplantation und der nachfolgenden
Rehabilitation sind gut beeinflussbare Faktoren, die unbedingt beachtet werden müssen.
Totalendoprothesen bei erhaltener Rotatorenmanschette (TSA) und bei insuffizienter Rotatorenmanschette (RSA) zeigen unterschiedliche Muster der Instabilität und der Therapiestrategie.
Häufigste operative Therapie der instabilen TSA ist die Konversion auf eine inverse Schulterendoprothese (RSA). Häufige Gründe für instabile RSA sind Implantat-assoziiert bzw.
Implantations-assoziiert und entsprechend operativ zu adressieren. Ein glenoidaler Knochensubstanzverlust geht mit der Gefahr einer Instabilität der RSA einher und sollte durch knöchernen Aufbau und/oder lateralisierende Komponenten adressiert werden. Eine Schädigung des Deltamuskels ist desaströs, schwer zu behandeln und muss unbedingt vermieden werden. Revisionsoperationen von instabilen Schulterendoprothesen stellen besondere chirurgische und apparative Anforderungen und sollten zum Wohl der Patienten spezialisierten Zentren vorbehalten bleiben.

Schlüsselwörter:
Schulterchirurgie, Chirurgie, Gelenkersatz, Endoprothese, inverse Schulterendoprothese, Arthrose, Omarthrose, Rehabilitation, Instabilität, Dislokation, Rotatorenmanschette, Arthrodese

Zitierweise:
Kircher J, Junker M, Weber J: Revision der instabilen Schulterprothese und Komplikationen.
OUP 2019; 8: 329–335 DOI 10.3238/oup.2019.0329–0335

Summary: Instability after shoulder arthroplasty procedures is a common problem and one main reason for revision surgery. Avoiding triggering factors during primary implantation and the following rehabilitation can be well addressed and should be a matter of interest. Total shoulder arthroplasties with a remaining rotator cuff (TSA) and those with an insufficient cuff (RSA) present with different patterns of instability and therefore need a specific treatment strategy. The most common surgical procedure for unstable TSA is the conversion to a RSA. Common reasons for unstable RSA are implant- and implantation-associated and should be adressed as such. Glenoid bone loss increases the risk for instability after RSA and should be adressed with bony augmentation and/or lateralizing implant components. Any damage of the deltoid muscle will be disastrous and difficult to treat and therefore should be avoided at all costs. Revision surgery for unstable shoulder arthroplasties are challenging both for the surgeon and the infrastructure. Therefore, these procedures should be reserved for specialized surgeons and treatment facilities.

Keywords: shoulder, surgery, arthroplasty, reverse shoulder arthroplasty, osteoarthritis, rehabilitation, instability, dislocation, rotator cuff, arthrodesis

Citation: Kircher J, Junker M, Weber J: Revision of the unstable shoulder endoprosthesis and complications. OUP 2019; 8: 329–335 DOI 10.3238/oup.2019.0329–0335

Jörn Kircher, Marius Junker: ATOS Klinik Fleetinsel Hamburg, Sektion Schulter- und Ellenbogenchirurgie

Jörg Weber: Klinikum Südstadt Rostock, Klinik für Unfallchirurgie, Orthopädie und Handchirurgie, Akademisches Lehrkrankenhaus der Universität Rostock

Hintergrund

In Deutschland zeigt sich in den letzten Jahren ein Anstieg der Implantation von Schulterendoprothesen, wobei besonders die Zahl der inversen Schulterendoprothesen zugenommen hat [14, 21]. Ähnliche Trends finden sich in allen entwickelten Industrieländern und gehen mit einem generellen Anstieg der Operationszahlen einher, auch am Bewegungsapparat. Die Gründe hierfür sind vor allem in der gestiegenen Lebenserwartung und einem gleichzeitig hohen Anspruch an ein aktives und schmerzfreies Leben im Alter zurückzuführen. Die stark altersabhängige Zunahme von Rotatorenmanschettenläsionen und die Problematik der Zunahme von proximalen Humerusfrakturen sowie die steigende Anzahl an deren Versorgungen mit inversen Schulterendoprothesen sind wahrscheinlich die Hauptgründe für den Anstieg in diesem Sektor [14, 21]. Die Implantation von Schulterendoprothesen zählt in vielen Regionen zur Regelversorgung, die Behandlung in spezialisierten Zentren ist jedoch empfehlenswert [17, 19, 26].

Mit steigenden Implantationszahlen steigt automatisch die Anzahl durchzuführender Revisionen, was eine enorme Herausforderung für die Gesundheitssysteme, aber auch für die Ressourcenplanung der Krankenhäuser und behandelnden Schulterchirurgen darstellt. Neben der aseptischen Lockerung sind häufige Gründe für die Revision Instabilität, Infektionen, periprothetische Frakturen, Implantatversagen u.a.

Im australischen Schulterendoprothesenregister wird im letzten Report als häufigster Grund für die Revision von anatomischen Schulterendoprothesen (TSA) die Instabilität/Dislokation (24 %) angegeben, gefolgt von der Rotatorenmanschetteninsuffizienz (22,6 %), Lockerung (16 %), Implantatversagen (11 %) und Infektion (6 %). Für die inversen Schulterendoprothesen (RSA) ist die Reihenfolge Instabilität/Dislokation (35 %), Infektion (19 %), Lockerung (18 %), Fraktur (13 %) und Dissoziation (2 %) [3].

In einer kooperativen Studie der nordischen Endoprothesenregister (Dänemark, Schweden, Norwegen und Finnland) ist der häufigste Grund für die Revision der RSA die Infektion (44 %), gefolgt von Lockerung (17 %), Instabilität (13 %) und anderen (30 %) [24].

Im Endoprothesenregister von England, Wales, Northern Ireland and der Isle of Man ist die häufigste Indikation für Revisionsoperationen die Rotatorenmanschetteninsuffizienz (26 %), gefolgt von der Konversion einer Hemi- auf Totalendoprothese (24 %), Instabilität (18 %) und Infektion (17 %) [2].

Im Datensatz des deutschen Schulterendoprothesenregisters der DVSE ist die Luxation (12 %) der zweithäufigste spezifische Grund für eine Endoprothesenrevision nach der Rotatorenmanschetteninsuffizienz (21 %) [32].

Therapieplanung der
Revisionsoperation

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