Originalarbeiten - OUP 04/2013

Arthroskopische Schulterchirurgie – Ergebnisse und Probleme mit bioresorbierbaren Fadenankern

C. Jung1+2, H. Kapferer3, D. Endele4, G. Bauer2, F. Mauch2

Zusammenfassung

Problemstellung: Die Anwendung bioresorbierbarer Fadenanker auf PLDLA-Basis zur Rekonstruktion der Rotatorenmanschette und anderer Weichteilstrukturen des Schultergelenkes ist weit verbreitet. Es zeigen sich im MRT regelmäßig ausgeprägte Resorptionszeichen auch am Ende bzw. nach der vom Hersteller angegebenen Zeit. Ihr Einfluss auf das klinische Ergebnis ist bislang wenig untersucht.

Methoden: 20 Patienten (Durchschnitts-Alter 64,4 Jahre; 9 w, 11 m) wurden durchschnittlich 23 Monate (20–28 m) nach
arthroskopischer single-row Rotatorenmanschettenrekonstruktion klinisch nachuntersucht, sowie radiologisch in einem offenen 0,25 Tesla G-Scan Niederfeldsystem der Fa. Esaote (Genua, Italien) beurteilt.

Ergebnisse: Alle Patienten wiesen im Bereich der Ankerplatzierung noch typische Resorptionszeichen auf. Es ließen sich hierbei 3 Gruppen abgrenzen: kleiner und größer als der Ankerdurchmesser (5 mm), sowie mit begleitendem Knochenmarködem. 5 von 20 Patienten (25 %) zeigten eine Reruptur. Der mittlere Constant-Score lag bei 94,3 (SD: 8,2). Die präoperative Schmerzintensität sank auf der VAS von 7,1 auf 0,7. Es traten keine operationsbedingten Komplikationen auf.

Diskussion: Häufig im MRT zu beobachtende, vergrößerte Anker-Resorptionszonen und Knochenmarködeme scheinen keinen Einfluss auf das klinische Ergebnis zu haben. In Anbetracht der Einsatzhäufigkeit sind ankerbedingte Komplikationen vernachlässigbar.

Schlüsselwörter: Rotatorenmanschette, bioresorbierbar, Fadenanker, MRT

Summary

Problem : Biodegradable PLDLA-based suture anchors are commonly used in rotator cuff repair. On postoperative MRI scans prolonged, increased resorption signal around the implants can be observed frequently. Its impact on the clinical results is unclear. Methods: 20 patients (average age 64,4 years; 9 w, 11 m) were examined 23 months (20–28 m) after arthroscopic single rotator-cuff repair. Clinical evaluation included Constant-Score and VAS. At the time of evaluation MRI scans using a 0,25 Tesla G-Scan system (Fa. Esaote, Genua, Italy) were performed.

Results: All patients showed typical resorption signals at the anchor location site. 3 categories can be distinguished: signal smaller and bigger than the orginal 5mm anchor diameter, plus additional bonemarrow odema. 25 % of the patients showed a retear of the rotator cuff. The mean Constant-Score is 94,3 (SD: 8,2), pain on the VAS decreased from 7,1 to 0,7. No complications were recorded.

Discussion: Considering the huge global amount of implanted anchors, the clinical results are excellent and major complications are rare. Bone marrow oedema and increased resorption signal on MRI seem to have no impact on the clinical results.

Keywords: rotator cuff, biodegradable, suture anchors, MRI

Einleitung, Problem- und
Zielstellung

Die moderne Schulterchirurgie steht im Zeichen der Arthroskopie. Deren Erfolg hängt wesentlich mit der technischen Entwicklung verlässlicher Fadenankersysteme zusammen. Die Fixationsmöglichkeiten der für die Schulter wichtigen Weichteilstrukturen, wie beispielsweise Labrum oder Rotatorenmanschette, sind durch die aktuell verfügbaren Ankersysteme vereinfacht und sicherer geworden [1, 2].

Die Anzahl der weltweit verfügbaren Ankertypen ist groß. In Abhängigkeit vom verwendeten Material lassen sich jedoch grundsätzlich 2 Klassen unterscheiden: bioresorbierbare (i.d.R. auf Polylactidacid-Basis) und nicht-resorbierbare (Metall, PEEK) Anker. Die Vorteile eines bioresorbierbaren Implantats liegen auf der Hand. Aus diesem Grund werden Anker aus PLLA/PLDLA (= Poly-L/D-Lactide Acid) sehr häufig eingesetzt, genaue Zahlen hierzu gibt es jedoch nicht [3–5].

Die große Anzahl an publizierten Studien mit exzellenten klinischen Ergebnissen nach Verwendung bioresorbierbarer Materialien am Schultergelenk sprechen für die Verwendung dieser Implantate [6–11]. Seit mehreren Jahren gibt es jedoch auch Berichte über Komplikationen wie beispielsweise Implantatversagen, Osteolysen oder Fremdkörperreaktionen [3, 4]. Oft ist nur schwer zwischen einem protrahiertem Heilungsverlauf und möglicherweise Implantat-assoziierter Komplikation zu unterscheiden. Entsprechend häufig sind p.o. MRT-Verlaufskontrollen. Hier fallen teilweise ausgeprägte Resorptionszonen und Knochenmarködeme im Bereich der eingesetzten, bioresorbierbaren Anker auf, teils auch nach der zu erwartenden Anker-Resorptionszeit [11–14]. Inwiefern dies an der Schulter Ursache für ein p.o. schlechtes Ergebnis sein kann, ist unklar.

Ziel dieser Arbeit ist es, anhand einer retrospektiven Fall-Kontroll-Studie das Resorptionsverhalten bioresorbierbarer Fadenanker im MRT in Relation zum klinischen Ergebnis darzustellen, und gleichzeitig eine Übersicht der relevanten Literatur zu diesem Thema zu geben.

Material und Methoden

Bei 20 Patienten (Durchschnittsalter 64,4 a; 9 w, 11 m) mit einer im MRT gesicherten Supraspinatussehnenruptur wurde eine arthroskopische Sehnenrekonstruktion mittels bioresorbierbaren Fadenankern durchgeführt. Bei allen Rupturen handelte es sich um Komplettrupturen. Die Rupturgröße klassifiziert nach Batemann [15] lag 6-mal bei Grad II, 7-mal bei Grad III und einmal bei Grad IV (5 Patienten konnten nicht klassifiziert werden). Als Implantate kamen bioresorbierbare 5,0-mm-Bio-Corkscrew der Fa. Arthrex (Naples, USA) aus PLDLA (= Poly-L/D-lactide Acid) zum Einsatz. Alle Operationen wurden von einem erfahrenen Schulterchirurgen im Zeitraum 2008–2009 durchgeführt. Ziel hierbei war die wasserdichte Refixation der rupturierten Sehnen am knöchernen Ansatz in einer etablierten Single-row-Technik. Die Resorptionszeit eines Ankers beträgt nach Herstellerangaben 18–24 Monate.

Eine klinische und MRT-Verlaufskontrolle erfolgte nach durchschnittlich 23 Monaten (20–28 m) an einem offenen 0,25 Tesla G-Scan Niederfeldsystem der Fa. Esaote (Genua, Italien) mit axialen und parakoronaren Spinecho-T1- und Gradientenecho-STIR-Sequenzen in 4 mm Schichtdicken. Die MRT-Auswertung wurde von 2 unabhängigen Untersuchern durchgeführt. Neben der Ankerbeurteilung erfolgte auch eine Beurteilung des Rotatorenmanschettenstatus und die Beurteilung der Muskelqualität nach Goutallier [16].

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