Originalarbeiten - OUP 09/2013

Die rheumaorthopädische
Behandlung der Hand
Orthopedic treatment of the rheumatoid deformed hand

Aufgrund der immunmodulatorischen Therapie kann es bei diesen Patienten neben den allgemein bekannten möglichen postoperativen Komplikationen eher einmal zu Wundheilungsstörungen kommen. Die Single-Shot-Antibiotikaprophylaxe sollte großzügig eingesetzt werden. Das perioperative Medikamentenregime sollte unbedingt mit dem behandelnden Rheumainternisten abgesprochen werden. MTX kann nach heutiger Einschätzung meist weiter eingenommen werden. Manchmal ist eine kurze postoperative Kortisonstoßtherapie erforderlich. Ein Wiederaufflackern der fortschreitenden Grunderkrankung (Rheumaschübe) kann in den Folgejahren den Behandlungserfolg gefährden oder sogar zu Implantatlockerungen führen. Auf diesen Sachverhalt sind die Patienten hinzuweisen.

Schlussfolgerung

Die operative Therapie der rheumatischen Veränderungen an der Hand [12] erfordert eine interdisziplinäre Zusammenarbeit, wie sie in unserer Klinik, die eigens dafür internistische und orthopädische Rheumatologen beschäftigt, seit über 30 Jahren gelebt wird. Sie ist abhängig vom individuellen Krankheitsverlauf, Komorbiditäten, Beruf, Hobby, Alter, funktionellen Bedürfnissen, Dominanz der Hand, Zustand der Nachbargelenke und der kontralateralen Extremität. Die operative Planung sollte von einem speziell dafür ausgebildeten Chirurgen erfolgen. Nur bei optimaler medikamentöser Einstellung und im Zusammenwirken von Internist und Hausarzt, Operateur, Physiotherapeut und Ergotherapeut führt die Operation zum gewünschten Erfolg. Frühstmögliche Einbindung des Patienten in das oben beschriebene Team kann schwere Deformitäten vermeiden, die Lebensqualität verbessern und dem Patienten über lange Zeit seine Selbstständigkeit erhalten.

Interessenkonflikt: Die Autoren erklären, dass kein Interessenkonflikt im Sinne der Richtlinien des International Committee of Medical Journal Editors besteht.

Korrespondenzadresse

Dr. Sabine Mai

Oberärztin

Vitos Orthopädische Klinik Kassel

Wilhelmshöher Allee 345

34131 Kassel

sabine.mai@vitos-okk.de

Literatur

1. Eberhardt K, Hohnson PM, Rydgren L: The occurence and significance of hand deformities in early rheumatoid arthritis. Br J Rheumatol 1991; 30: 211–213

2. Rehart S, Kerschbaumer F: Daumen und Langfinger. Rheumaorthopädie, Hrsg. ARO, Darmstadt: Steinkopff Verlag, 2005: 221–230

3. Niehaus P, Intra- und periartikuläre Therapieverfahren. Rheumaorthopädie, Hrsg. ARO, Darmstadt: Steinkopff Verlag, 2005: 203–207

4. Vögelin E, Villinger PM, Operative Eingriffe an Hand und Handgelenk, Z. Rheumatol 2011; 70: 21–25

5. Heers G, Winkler FJ, Telisselis P, Borisch N, Grifka J: Operative Therapie bei rheumatoider Arthritis der Hand, Orthopädie und Unfallchirurgie up2date5 2010; 207–220

6. Tillmann K, Die operative Rehabilitation der rheumatischen Hand: Leitlinien und deren Grenzen, Orthopädische Praxis 1997; 33: 637–639

7. Gaulke R, Krettek C, Die Handgelenkarthrodese beim Rheumatiker, Orthopäde 2007; 36: 29–734

8. Schill S, Thabe H, Wanivenhaus A, Handglenk. Rheumaorthopädie, Hrsg. ARO, Darmstadt: Steinkopff Verlag, 2005: 247–266

9. Mai S, Mai B, Ein-bis Zweijahreserfahrungen mit einem neuen biodegradierbaren Implantat für kleine Gelenke, Orthopädische Praxis 2007; 43: 159–167

10. Hagena F-W, Fingergelenkendoprothesen. Rheumaorthopädie, Hrsg. ARO, Darmstadt: Steinkopff Verlag, 2005: 231–244

11. Schill S, Resektions-Interpositions-Arthroplastik der Fingergrundgelenke. Rheumaorthopädie, Hrsg. ARO, Darmstadt: Steinkopff Verlag, 2005: 245–246

12. Rehart S, Rheumachirurgie Hand – Rheumaorthopädische Operationstechniken im Film (DVD), Köln: Deutscher-Ärzteverlag, 2006

Fussnoten

1 Vitos Orthopädische Klinik Kassel, Orthopädische Rheumatologie

SEITE: 1 | 2 | 3