Übersichtsarbeiten - OUP 06/2020

Veränderungen der Knochendichte des proximalen Femur fünf Jahre nach Implantation einer schenkelhalsteilerhaltenden Kurzschaftprothese (MiniHip)

Die Korrelationsanalyse zwischen femoralem Offset und Knochendichte-Änderung hat keinen signifikanten Zusammenhang ergeben. Die Wiederherstellung des femoralen Offsets ist wichtig für die Gelenkstabilität, im Durchschnitt beträgt diese 41–44 mm [32]. Mit 40,5 mm weicht der hier errechnete Durchschnitt unwesentlich von dem in der Literatur angegebenem Normbereich ab, sodass die ursprüngliche Anatomie wiederhergestellt wurde.

Die Analyse von CCD-Winkel zur Knochendichteabnahme zeigte insgesamt eine schwächere Korrelation als für die Schaftgröße, wobei aber auch hier in Gruen Zone 1 signifikante Werte für den Korrelationskoeffizienten berechnet wurden. In Gruen Zone 7 ist die gleiche negative Tendenz von hohem CCD Winkel gleichbedeutend mit höherer Wahrscheinlichkeit der Knochenabsorption erkennbar. Ursächlich für diese Zusammenhänge könnte sein, dass bei hohem CCD-Winkel auch die Resektionsebene in etwa der Standardresektionsebene der konventionellen Schäfte entspricht und damit aber auch die Krafteinleitung mit dem stress shielding und der periprothetische Knochenumbau in gleicher Weise stattfindet. Wenn man die Knochendichteabnahme in Abhängigkeit vom CCD in 3 Gruppen (valgische Hüfte >135°, physiologische Hüfte 120–135°, varische Hüfte <120°) unterteilt und diese miteinander vergleicht, ist kein signifikanter Unterschied unter den 3 Gruppen feststellbar, wobei die statistische Vergleichbarkeit und Aussagekraft aufgrund der deutlich differierenden Gruppengrößen reduziert ist. In der Literatur gibt es diesbezüglich widersprüchliche Ergebnisse. Panisello zeigte in seiner Studie, dass sowohl Varus- wie auch Valgus-Positionierungen zu einer signifikanten KMD-Abnahme vor allem in Gruen Zone 7 führte [43]. Lerch hingegen konnte für Varus- und Valgus-Positionierungen genauso wie auch für die Resektionshöhe keine Korrelation finden [34].

Der T-Wert über der LWS zeigte keine signifikante Korrelation zur Knochendichteveränderung. Der T-Wert als Referenzmaßstab für die Osteoporosediagnostik des Individuums zu einer Vergleichspopulation korrelierte in mehreren anderen Studien mit der Knochendichteabnahme im postoperativen Verlauf [38, 28, 61, 3, 31]. Dies ist am ehesten darauf zurückzuführen, dass Knochen geringerer Dichte auch eine geringere Steifigkeit aufweist, sodass der Unterschied im Elastizitätsmodul zwischen Knochen und Prothese größer wird und damit das stress shielding zunimmt, je niedriger die KMD ist [19].

Weitere Kovariablen konnten in unserer Studie für die MiniHip ausgeschlossen werden. So ließ sich insbesondere auch kein signifikanter Unterschied in den Indikationsdiagnosen (Coxarthrose, Dysplasiecoxarthrose, Femurkopfnekrose, Schenkelhalsfraktur) feststellen, genauso wenig in der Untersuchung der einzelnen Gleitpaarungen. Aufgrund der Gruppengröße, wurde lediglich eine Unterteilung in reine Keramik-Keramik sowie Mischgleitpaarungen getroffen, ein Unterschied ließ sich nicht feststellen. Zu erwähnen ist dabei, dass das hier genutzte hochvernetzte Polyethylen bei den Mischgleitpaarungen eine signifikante Verbesserung zum Standard-Polyethylen darstellt und in unserer Studie in der kurzfristigen Betrachtung der 12 Monate vergleichbare Ergebnisse zur reinen Keramik-Gleitpaarung liefert [10].

Schlussfolgerungen

Die vorliegende Untersuchung konnte zeigen, dass neben den bereits bekannten guten mittel- bis langfristigen klinischen Ergebnissen der MiniHip, auch die densitometrischen Resultate vielversprechend sind. Sie sind vergleichbar mit den guten Ergebnissen der übrigen Vertreter der schenkelhalsteilerhaltenden Kurzschaftprothesen mit einer geringeren proximalen Knochendichteminderung. Gleichzeitig ist die für den typischen Oberschenkelschmerz als ursächlich geltende distale Hypertrophie nicht nachweisbar.

Die Resultate verdeutlichen, dass der periprothetische Knochenumbau ein multifaktorielles Geschehen ist. Neben dem prothesenspezifischen Faktor der Schaftgröße, gibt es auch operationstechnische Einflussfaktoren wie den CCD-Winkel und patientenspezifische Variable wie den T-Wert als Maßstab für die osteogene Kompetenz, die einen Einfluss auf den periprothetischen Knochenumbau haben.

Zusammenfassend scheint mit dem MiniHip Schaft eine metaphysäre Kraftübertragung mit Verhinderung des stress shieldings erreichbar Damit vervollständigt die MiniHip das Portfolio einer differenzierten Hüftendoprothetik mit einem selbst sehr breiten Indikationsspektrum.

Interessenkonflikte:

J. Jerosch: Entwickler des dargestellten Produkts, Vortragstätigkeit für Corin.

Korrespondenzadresse

Mathias Herwig

Klinik für Orthopädie, Unfallchirurgie

und Sportmedizin

Johanna-Etienne-Krankenhaus

Am Hasenberg 46

41462 Neuss

m.herwig@ak-neuss.de

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