Übersichtsarbeiten - OUP 03/2026

Die isolierte patellofemorale Arthrose
Diagnostik, Indikationsstellung und operative Strategie der patellofemoralen Prothese

Conrad Ketzer, Jonas Pogorzelski, Marco Rupp, Peter Biberthaler

Zusammenfassung:
Die isolierte patellofemorale Arthrose stellt in der Knieendoprothetik weiterhin eine besondere Herausforderung dar. Trotz moderner Implantatkonzepte bleiben die Ergebnisse der patellofemoralen Prothese heterogen und erreichen hinsichtlich Patientenzufriedenheit und Langzeitbeständigkeit häufig nicht das Niveau der Knietotalendoprothese. Ursache ist nicht nur die ausgeprägte Heterogenität des Patientenkollektivs, sondern vor allem die biomechanische Komplexität des patellofemoralen Gelenks. Zudem entsteht die patellofemorale Arthrose häufig nicht primär degenerativ, sondern als Folge von Fehlmechanik, Maltracking oder Instabilität.
Gerade diese Konstellation macht die Therapieentscheidung besonders anspruchsvoll. Die isolierte patellofemorale Arthrose betrifft nicht selten jüngere, funktionell aktive Patientinnen und Patienten, bei denen die Knietotalendoprothese zwar ein verlässliches Verfahren darstellt, der Ersatz klinisch unauffälliger tibiofemoraler Kompartimente jedoch kritisch abgewogen werden muss. In dieser Situation kann die patellofemorale Prothese als kompartimenterhaltende Behandlungsoption funktionelle Vorteile bieten. Voraussetzung sind eine präzise Diagnostik, eine differenzierte Analyse der zugrundeliegenden Pathomechanik und ein realistisches Erwartungsmanagement.
Der wesentliche Fortschritt der vergangenen Jahre liegt daher weniger in einer generellen Ausweitung der Indikation als in einem besseren Verständnis günstiger und ungünstiger Ausgangskonstellationen. Entscheidende Voraussetzungen für ein gutes Ergebnis sind der sichere Ausschluss einer klinisch relevanten tibiofemoralen Begleitarthrose, die Identifikation der zugrundeliegenden pathoanatomischen Ursachen, die frühzeitige Planung möglicher Begleiteingriffe sowie eine technisch präzise operative Umsetzung.
Die patellofemorale Prothese ist damit keine Standardversorgung der isolierten patellofemoralen Arthrose, sondern ein selektives, biomechanisch anspruchsvolles Behandlungskonzept für klar definierte Patientinnen und Patienten. Bei korrekter Indikationsstellung kann sie sehr gute funktionelle Ergebnisse erzielen und insbesondere bei jüngeren, aktiven Betroffenen einen totalendoprothetischen Ersatz sinnvoll hinauszögern oder sogar verhindern.

Schlüsselwörter:
Patellofemorale Arthrose, patellofemorale Prothese, Knieendoprothetik, patellofemorale Instabilität, sekundäre patellofemorale Arthrose, kompartimenterhaltende Endoprothetik

Zitierweise:
Ketzer C, Pogorzelski J, Rupp M, Biberthaler P: Die isolierte patellofemorale Arthrose. Diagnostik,
Indikationsstellung und operative Strategie der patellofemoralen Prothese
OUP 2026; 15: 139–144
DOI 10.53180/oup.2026.0139-0144

Summary: Isolated patellofemoral osteoarthritis remains a particular challenge in knee arthroplasty. Despite modern implant concepts, outcomes after patellofemoral arthroplasty remain heterogeneous and often do not match those of total knee arthroplasty in terms of patient satisfaction and long-term durability. This is attributable not only to the marked heterogeneity of the patient population, but above all to the biomechanical complexity of the patellofemoral joint. In addition, patellofemoral osteoarthritis is often not primarily degenerative, but rather develops as a consequence of malalignment, maltracking, or instability.
This constellation is precisely what makes treatment decision-making demanding. Isolated patellofemoral osteoarthritis often affects younger, functionally active patients in whom total knee arthroplasty represents a reliable procedure, yet replacement of clinically unaffected tibiofemoral compartments must be weighed carefully. In this setting, patellofemoral arthroplasty may offer functional advantages as a compartment-preserving treatment option. However, this requires careful diagnostic work-up, a differentiated analysis of the underlying pathomechanics, and realistic expectation management.
The major advance of recent years therefore lies less in a general expansion of indications than in a better understanding of favourable and unfavourable preoperative constellations. Key prerequisites for a good outcome are the reliable exclusion of clinically relevant concomitant tibiofemoral osteoarthritis, identification of the underlying pathoanatomical causes, early planning of potential concomitant procedures, and technically precise surgical execution.
Patellofemoral arthroplasty should therefore not be regarded as a standard treatment for isolated patellofemoral osteoarthritis, but rather as a selective and biomechanically demanding treatment strategy for clearly defined patients. With appropriate patient selection, it can achieve very good functional outcomes and, particularly in younger and active patients, may meaningfully delay the need for total knee arthroplasty or even prevent it.

Keywords: Patellofemoral osteoarthritis, patellofemoral arthroplasty, knee arthroplasty, patellofemoral instability, secondary patellofemoral osteoarthritis, compartment-preserving arthroplasty

Citation: Ketzer C, Pogorzelski J, Rupp M, Biberthaler P: Isolated patellofemoral osteoarthritis. Diagnosis, indication, and surgical strategy for patellofemoral arthroplasty
OUP 2026; 15: 139–144. DOI 10.53180/oup.2026.0139-0144

C. Ketzer, P. Biberthaler: Klinik und Poliklinik für Unfallchirurgie, TUM Universitätsklinikum rechts der Isar, Technische Universität München, München

J. Pogorzelski: Orthopädie & Chirurgie Erlangen-Ebermannstadt & Klinik und Poliklinik für Orthopädie, Sektion Sportorthopädie, TUM Universitätsklinikum rechts der Isar, Technische Universität München, München

M. Rupp: Klinik und Poliklinik für Orthopädie, Sektion Sportorthopädie, TUM Universitätsklinikum rechts der Isar, Technische Universität München, München

Einleitung

Die isolierte patellofemorale Arthrose (PFA) ist ein eigenständiger Subtyp der Kniearthrose und eine häufige Ursache belastungsabhängiger vorderer Knieschmerzen [1]. Bei Patientinnen und Patienten über 40 Jahren ist sie für etwa 10–24 % der Fälle vorderer Knieschmerzen verantwortlich [2, 3]. Typischerweise treten Beschwerden beim Treppensteigen, Hocken oder längerem Sitzen auf und können Funktion und Lebensqualität der Patientinnen und Patienten erheblich beeinträchtigen [4–6].

Ätiologisch ist die isolierte PFA in vielen Fällen keine primär degenerative Erkrankung, sondern Ausdruck einer gestörten patellofemoralen Biomechanik, etwa bei Trochleadysplasie, Maltracking oder chronischer patellärer Instabilität [7, 8]. Eine primäre Degeneration ist demgegenüber selten. Häufig liegen morphologische und biomechanische Prädispositionen vor; Frauen sind häufiger betroffen [9, 10].

Die Behandlung erfolgt stufenweise [1]. Nach Ausschöpfung konservativer Maßnahmen sind gelenkerhaltende oder rekonstruktive Verfahren zu prüfen, insbesondere wenn Maltracking, Instabilität oder Achs- bzw. Rotationsabweichungen die Symptomatik wesentlich bestimmen [11, 12]. Bei fortgeschrittener, strukturell ausgeprägter Arthrose rückt der endoprothetische Gelenkersatz in den Vordergrund [13].

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