Übersichtsarbeiten - OUP 04/2023

Hüftimpingement
Wie kommen wir mittels Anamnese, klinischer Untersuchung und Röntgen zur richtigen Diagnose?

Wichtig um ein Hüftimpingement zu erkennen, ist die genaue Erhebung von Beschwerden. Besteht ein Impingement, so findet sich als Leitsymptom ein Steifheits- oder auch ein Einklemmungsgefühl der Hüfte. Schmerzen finden sich an der Vorder- und Außenseite der Hüfte bzw. in der medialen und lateralen Leistengegend u./o. am ventralen oder lateralen Oberschenkel (Abb. 4) [7]. In 30 % der Fälle werden die Schmerzen mehr hinten im Gesäß oder posterolateral im Bereich der Flanke lokalisiert. Sind bei diesem eher untypischen Schmerzbild die Impingementtests und die bildgebenden Befunde positiv, sollte dies nicht allzu sehr irritieren. Entsprechend einer größeren aktuellen Studie ist in solchen Fällen die operative Korrektur ebenso erfolgreich [17].

Impingementbeschwerden finden sich anfangs eher zeitweise, bspw. bei oder nach sportlichen Belastungen der Hüfte, nach längeren Sitzperioden und gelegentlich auch beim Treppensteigen oder Bergaufgehen. Ein weiteres Symptom, das im Verlauf hinzukommt, ist die eingeschränkte Bewegungsfähigkeit der Hüfte, wobei initial die Innenrotation am stärksten betroffen ist. Die Patientin/der Patient verspürt dann einen Anschlag des Knochens bzw. Druck mit dem Gefühl einer endgradigen Bewegungsblockade. In einigen Fällen sind muskuläre Funktionsdefizite mit einer reduzierten Kraft und einer eingeschränkten Balancier- und Haltefunktion der Hüfte zu finden [14]. Eine aktuelle, größere Querschnittsanalyse zeigte, dass Patientinnen und Patienten mit einem symptomatischen Hüftimpingement gelegentlich auch Schlafstörungen und eine schlechte Schlafqualität aufweisen [43].

Auch sollte die Anamnese auf wichtige Begleitpathologien, wie bspw. Labrumrisse, Ligamentum-capitis-femoris-Risse, Knorpelschäden, freie Gelenkkörper, Gluteus-medius-Läsionen, Ergüsse, eine beginnende Arthrose etc. eingehen. Auch gibt es Patientinnen und Patienten, die keine schleichende Anamnese, sondern vielmehr ein vglw. akutes, sich plötzlich entwickelndes Beschwerdebild mit stechenden oder beißenden Schmerzen aufweisen. Hier finden sich oft akute Labrumläsionen, die entweder bei einem zugrundeliegenden Impingement oder isoliert bei Unfällen auftreten. Dies kann bei Traumata der Hüfte, z.B. beim Sturz vom Pferd, bei Hochenergietraumata im Motorsport oder bei Stop-and-go- oder Rotationsbewegungen bei Kontakt- und Ballsportarten auftreten. Ähnliche, mehr stechende Schmerzen finden sich auch bei Ligamentum-capitis-femoris-Läsionen oder freien Gelenkkörpern. Bei den Ligamentum-capitis-Rissen verspürt die Patientin/der Patient neben den stechenden Schmerzen eine Instabilität bei Drehbewegungen [4, 27]. Die sich meist schleichend entwickelnde Läsion des M. gluteus medius tritt in allen Altersgruppen auf. Dies geht mit Schmerzen im Bereich des Trochanter major (Abb. 4), belastungsabhängigen Muskelschmerzen bis hin zu einer Muskelschwäche mit einer Einschränkung der Belastbarkeit einher [31, 32]. Brennende oder ziehende Beschwerden unter Belastung entlang der Leiste mit Ausstrahlung in den Oberschenkel können durch Reizzustände mit intraartikulären Ergüssen oder Irritationen bzw. ein Anschlagen der Iliopsoasehne verursacht werden. Eine schmerzhaft eingeschränkte Geh- oder Laufstrecke, das Gefühl einer weiter zunehmenden Bewegungseinschränkung, das Auftreten von Ruhe-, bzw. Nachtschmerzen oder morgendliche Anlaufschmerzen, deuten auf eine Arthrose hin.

Klinische Untersuchung

Die allgemeine Hüftuntersuchung ist, bis auf eine eher geringe Limitierung für die Innenrotation, die sich oft erst im Seitenvergleich mit der gesunden Hüfte objektivieren lässt, meist unauffällig. In Fällen mit einem längeren Krankheitsverlauf oder bei der Entwicklung einer Coxarthrose betrifft die Bewegungseinschränkung auch die Flexion und schließlich alle Bewegungsrichtungen [26]. Das Beobachten des Gehens zeigt erst bei sehr fortgeschrittenen Befunden, bspw. bei Kontrakturen oder Extensions- oder Rotationsdefiziten, ein verkürztes Gangbild.

Wesentlich zur Diagnostik oder zum Ausschluss des Hüftimpingement sind ein paar einfache klinische Tests. Diese Tests zur Evaluation eines Hüftimpingement sind der vordere und hintere Impingementtest und der FABER-Test [7, 39]. Beim vorderen Impingement-Provokationstest liegt die Patientin/der Patient entspannt auf dem Rücken. Das Hüftgelenk wird auf 90 Grad gebeugt, forciert adduziert und innenrotiert (Abb. 2d). Aufgrund dieser kombinierten Bewegung wird dieser Test auch FADIR-Test, für Flexion-Adduktion-Innenrotation, genannt. Beklagt die Patientin/der Patient während dieses Manövers einen Schmerz in der medialen oder lateralen Leiste, so ist ein Konflikt zwischen dem Femurkopf-Schenkelhals-Übergang und dem ventralen oder lateralen Pfannenrand sehr wahrscheinlich [5]. Während der Arthroskopie kann dieser Test zudem der intraoperativen Überprüfung einer adäquaten Knochenresektion dienen [29, 50].

Der hintere Impingementtest, bzw. Posterior-rim-Test, erfolgt wiederum auf dem Rücken liegend, wobei die Patientin/der Patient dann mit dem Becken am vorderen Rand der Untersuchungsliege positioniert wird (Abb. 2j). Dabei wird das in der Hüfte hyperextendierte Bein abduziert und dann bei leicht gebeugtem Knie eine Außenrotation ausgeführt. Reproduziert dieses Manöver den dorsalen Schmerz, liegt wahrscheinlich ein posteriores Impingement vor [30]. Neben dem dorsalen Impingement ist der Apprehensiontest auch häufig bei symptomatischen Knorpelschäden am ventrolateralen Pfannenrand im Rahmen des klassischen ventrolateralen Impingement positiv [13]. Die Hyperextension kann verstärkt werden, indem die Patientin/der Patient den gegenseitigen Oberschenkel umgreift, damit die Hüfte beugt und die Lendenwirbelsäule entlordosiert (Abb. 2j).

Der Patrick-Test erfolgt in Rückenlage, wobei das betroffene Bein in die sog. Vierer-Position gebracht wird. Dabei werden das Knie und die Hüfte flektiert und zusätzlich abduziert sowie nach außen rotiert. Der Außenknöchel des betroffenen Beines sollte hierbei auf dem Knie des gesunden Beines zu liegen kommen. Die Untersucherin/der Untersucher drückt nun das Knie sanft Richtung Tischplatte, wobei das Becken auf der gegenüberliegen Seite mit der anderen Hand stabilisiert wird. Die Distanz zwischen dem Knie und dem Untersuchungstisch wird gemessen. Ist der Abstand des Knies zur Untersuchungsliege größer als 20 cm oder tritt eine sichtbare Seitendifferenz auf, ist der Test positiv [39]. Nachdem die betroffene Hüfte hierbei in Flexion, Abduktion und externe Rotation gebracht wird, wird dieser Test auch FABER-Test genannt (Abb. 2e). Bei der Testung wird zudem erfragt, ob sich etwaige Schmerzen eher in der medialen oder lateralen Leiste und damit im Hüftgelenk oder eher dorsal und damit im Ileosakralgelenk bemerkbar machen. Liegen die Schmerzen in der Leiste oder lateral und findet sich Einschränkung der Bewegungsausmaße, weist dies auf ein Impingement u./o. eine Psoas-Tendinopathie hin. Dorsale Schmerzangaben weisen hingegen auf eine Störung im Iliosakralgelenk und den unteren Rücken [5].

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