Übersichtsarbeiten - OUP 01/2022

Schulterarthrose
Wie erzielen wir mit der anatomischen Schulterendoprothese oder auch mit konservativen und arthroskopischen gelenkerhaltenden Optionen optimale Ergebnisse?

Lars Victor von Engelhardt, Jörg Jerosch

CME

1

Punkt

Lernziele:

Ursachen, das vielschichtige klinische Bild der Omarthrose sowie die relevanten Klassifikationen und Gradeinteilungen werden dargestellt.

Die Möglichkeiten und der Nutzen unterschiedlicher konservativer Therapieansätze werden anhand der aktuellen Literatur erörtert.

Indikationen, technische Aspekte und aktuelle Erfolgsprognosen der sehr individuellen gelenkerhaltenden, arthroskopischen Therapie sowie einer endoprothetischen Versorgung werden erläutert.

Zusammenfassung:
Die Omarthrose zeigt ein vielschichtiges klinisches Bild. Die Therapiemöglichkeiten sind nicht minder vielfältig. Je nach den erhobenen Befunden zeigen rein konservative u./o. arthroskopische gelenkerhaltende Therapieoptionen sehr gute Ergebnisse. Auch die endoprothetische Versorgung bedarf, um optimale Ergebnisse zu erlangen, einer sehr individuellen Versorgung. Somit zeichnet sich die Therapie der Omarthrose durch ein Spannungsfeld aus, bei dem Wissen und Erfahrung wertvoll sind.

Schlüsselwörter:
Omarthrose, Comprehensive arthroscopic management (CAM) procedure, Konservative Therapie, Glenoidmorphologie, Schulterprothese

Zitierweise:
von Engelhardt LV, Jerosch J: Schulterarthrose. Wie erzielen wir mit der anatomischen Schulterendoprothese oder auch mit konservativen und arthroskopischen gelenkerhaltenden Optionen optimale Ergebnisse?
OUP 2022; 11: 33–43
DOI 10.53180/oup.2022.0033-0043

Summary: Omarthrosis has a complex clinical appearance. Therapy options are no less diverse. Depending on the findings, conservative and/or arthroscopic joint-preserving treatment options show very good results. In order to achieve optimal results, the endoprosthetic surgery requires an individual surgical procedure. Thus, the therapy of omarthrosis is characterized by a diverse field in which sustained knowledge and experience are valuable.

Keywords: Shoulder osteoarthritis, CAM procedure, conservative treatment, glenoid morphology, shoulder arthroplasty

Citation: von Engelhardt LV, Jerosch J: Omarthrosis. How do we achieve optimal results with anatomical shoulder endoprostheses or with conservative and arthroscopic joint-preserving treatment modalities?
OUP 202; 11: 33–43. DOI 10.53180/oup.2022.0033-0043

Lars Victor von Engelhardt: Fakultät für Gesundheit, Private Universität Witten/Herdecke

Jörg Jerosch: Wissenschaftsbüro, Grabenstr. 11, 40667 Meerbusch

Ursachen und Erscheinungsbilder einer Omarthrose

Anhaltende Schulterschmerzen beeinträchtigen die Aktivitäten des Alltags und haben einen signifikanten Einfluss auf die Lebensqualität und die Psyche des Patienten. Das Spektrum reicht von Schmerzepisoden und Verstimmungen bis hin zu psychosozialen Problemen, Schlafstörungen und Depressionen [54, 86]. Nach den Total- und Partialrupturen der Rotatorenmanschette, die die weitaus häufigsten Auslöser chronischer Schulterschmerzen darstellen, ist die Omarthrose eine weitere häufige Ursache. Die Omarthrose wird als primär oder idiopathisch und weniger häufig als sekundär beschrieben. Die primäre Form ist multifaktoriell, wobei ein Mosaik an Störungen, bspw. im Bereich der Zelldi?erenzierung, der Genexpression und des Stoffwechsels zur Freisetzung von Zytokinen und Entzündungsmediatoren eine Degeneration des Gelenkknorpels nach sich zieht. Auch wird eine genetische und eine metabolische Prädisposition beschrieben [9, 45, 90].

Durch die gestörte Funktion und den Knorpelabbau der Gelenkfläche reagiert der subchondrale Knochen mit Sklerosierungen und Zystenbildung (Abb. 1). Die Synovia zeigt einen chronischen Entzündungsprozess. Im Weiteren findet sich das Bild einer fibrösen, adhäsiven Entzündung mit entsprechenden Bewegungslimitierungen und Schmerzen. Bildgebend zeigen sich dann oft Osteophyten, Deformierungen und Überbauungen der Gelenk?ächen (Abb. 2–3). Zusätzlich finden sich oft freie artikuläre, knorpelige Gelenkkörper, die dann im kaudalen Gelenkrecessus rund um das Glenoid und unterhalb des Korakoides zu finden sind [2, 98]. Ursachen sekundärer Arthrosen sind Humeruskopfnekrosen, chronische Instabilitäten im Glenohumeralgelenk, Infekte, Traumata, Erkrankungen des Immunsystems wie die rheumatoide Arthritis etc. [77]. Eine besondere Gruppe sekundärer Arthrosen sind die postoperativen Instabilitätsarthrosen. Hier findet sich eine vermehrte Translation nach dorsal. Dies findet sich meist als chronische Instabilität oder in Folge ungeeigneter bzw. nicht-anatomischer knöcherner und weichteiliger Stabilisierungsoperationen [87]. Die vermehrte hintere Translation des Humeruskopfes führt leider erst nach einem längeren stummen Intervall zu einem konsekutiven hinteren Knorpel- und Pfannenabrieb. Kommt es zu Beschwerden, zeigt sich häufig ein Knochenabrieb am dorsalen Glenoid.

Patrick Denard und Gilles Walch haben diese Form einer sekundären Arthrose in Folge einer chronischen dorsalen Instabilität beschrieben und als Typ B1 und B2 Glenoid klassifiziert (Abb. 2). Später kam noch Typ B3 hinzu, bei dem durch eine Retroversion des Glenoides eine zunehmende Dezentrierung des Humerus nach dorsal besteht. Der Typ C entsteht durch ein dysplastisch angelegtes Glenoid. Der wiederum später hinzugekommene Typ D entsteht durch eine Subluxation des Humeruskopfes nach anterior, wodurch es ventral zu einem Knochenverlust bzw. eine Anteversion des Glenoides kommt [10]. Die Klassifikation der Omarthrose nach Walch mit ihrer Erweiterung nach Bercik ist sicherlich die weitläufigste Klassifikation zur Einteilung der axialen Glenoidmorphologie. Hierbei werden letztlich zentrierte A-Typen von dezentrierten B- und D-Typen und einem vglw. seltenen dysplastischen C-Typ unterschieden (Abb. 2) [16].

Die übliche Bildgebung umfasst ein true a.-p. und axiales Röntgen (Abb. 3) sowie häufig auch eine Y-Aufnahme. Typisch sind osteophytäre Ausziehungen am Unterrand des Humeruskopfes und teilweise am Glenoid. Insbesondere diese kaudalen Überbauten sind von Interesse, weil diese signifikant mit der Ausprägung der eingeschränkten Gelenkfunktion korrelieren [40]. Daher wundert es auch nicht, dass die Ausprägung des Osteophyten an der humeralen Seite im konventionellen Röntgen zur Gradeinteilung einer Omarthrose verwendet wird. Die häufigste Gradeinteilung ist dabei die Klassifikation nach Samilson. Hierbei bestimmt schlichtweg die Größe dieser inferioren osteophytären Ausziehung den Arthrosegrad. Grad I, die milde Arthrose, liegt vor, wenn die Größe < 0,3 cm entspricht. Grad II ist eine moderate Arthrose, die Größe misst 0,5–0,7 cm. Beim Grad III, der schweren Arthrose, misst der inferiore humerale Osteophyt mehr als 0,7 cm (Abb. 1) [75].

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